Mord an Maria L.: Angeklagter gesteht Missbrauch und Gewalt

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  • Viele Details blieben widersprüchlich. Der Angeklagte berief sich mehrfach auf Erinnerungslücken. Foto: Patrick Seeger 1/2
    Viele Details blieben widersprüchlich. Der Angeklagte berief sich mehrfach auf Erinnerungslücken. Foto: Patrick Seeger Foto: 
  • Die Tat in Freiburg ereignete sich in der Nacht zum 16. Oktober 2016. Foto: Patrick Seeger 2/2
    Die Tat in Freiburg ereignete sich in der Nacht zum 16. Oktober 2016. Foto: Patrick Seeger Foto: 
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Im Prozess um die Vergewaltigung und Ermordung einer 19-jährigen Studentin hat der Angeklagte Hussein K. ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Ausführlich schilderte er vor dem Landgericht Freiburg, wie er die junge Frau vom Rad stieß, mit seinem Schal bewusstlos würgte und nach mehreren vergeblichen Versuchen schließlich mehrfach mit der Hand vergewaltigte.

Danach zerrte er Maria L. ins flache Uferwasser der Dreisam, wo sie ertrank.

Eigenen Worten zufolge hielt K. die junge Frau für tot, bevor er sich an ihr verging. Die Tat begründete er mit dem Konsum von Drogen und Alkohol. Mögliche weitere Motive blieben im Dunkeln.

Die Frau sei ihm zufällig begegnet, als er betrunken und bekifft am Flussufer entlang gegangen sei, sagte Hussein K. vor Gericht. Als Maria L. versuchte, an ihm vorbeizufahren, habe er gegen ihr Fahrrad getreten und sie zu Fall gebracht. Als sie schrie, habe er ihr den Mund zugehalten und sie gewürgt. „Ein- oder zweimal habe ich ihr den Schal um den Hals gewickelt und dann von hinten gezogen.“

Als er gesehen habe, wie hübsch die Studentin sei, habe er sich zur Vergewaltigung entschlossen. „Es ist in meinen Kopf gegangen: Komm', mach' mal mit ihr Sex.“ Er zog die Bewusstlose teilweise aus, war aber nach eigenen Worten zu betrunken, so dass er sie mit der Hand missbrauchte. „Zu mehr war ich nicht in der Lage“, sagte er. Dass er, wie die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft, sie in Brust, Wange und Unterleib gebissen habe, gab K. nicht zu.

Zuvor hatte der junge Flüchtling lange geschildert, wie er in den Stunden vor der Tat gemeinsam mit Freunden zwei Flaschen Wodka und später allein Bier und Wein getrunken habe. Er habe mehrere Joints geraucht. Nach einem Bar- und einem Discobesuch am späten Abend sei er schließlich mit der Straßenbahn in die Nähe des späteren Tatorts gefahren. Er stahl ein Fahrrad, stürzte, weil er zu betrunken war, und schob es. Dann sei ihm das Mädchen zufällig auf dem Rad begegnet.

Weil er sich zuvor bei seinem Fahrradsturz verletzte, habe er später eigenes Blut auf Marias Körper bemerkt. Das habe er abwaschen wollen und sie nach der Tat daher ins Wasser geschleppt - „vielleicht auch, weil ich Beweise wegmachen wollte“. Danach sei er geflohen.

Gleich am Tag nach dem Mord habe er sich die langen, auffällig blondierten Haare geschnitten. Unter anderem hatte ein am Tatort gefundenes Haar auf die Spur von Hussein K. geführt. Auf Videoaufnahmen in der Straßenbahn vom Vorabend der Tat war er entdeckt und im Dezember festgenommen worden.

Gleich zu Beginn des zweiten Prozesstages hatte K. sich bei der Familie des Opfers entschuldigt. „Das, was ich getan habe, darüber bin ich aus tiefstem Herzen traurig“, sagte der Beschuldigte am Montag vor dem Landgericht Freiburg. Nach Marias Tod habe er täglich Qualen durchlitten. Er lebe wie in der Hölle, sagte er. Die Familie von Maria L. war, wie schon zum Prozessauftakt, am Montag nicht im Gericht.

K. steht vor der Jugendkammer des Gerichts - Alter und Identität sind weiter unklar. Er hatte schon am ersten Prozesstag Lügen über sein Alter eingeräumt. Nach Ansicht der Anklage ist er mindestens 22 Jahre alt. „Mit Verlaub, wie ein 17-Jähriger sah er nicht aus“, sagte der Leiter der Ermittlungen vor Gericht. Dieses Alter hatte K. anfangs für die Tatzeit angegeben.

Der Polizeibeamte berichtete auch von Vernehmungen eines Mithäftlings von K. während dessen Untersuchungshaft. Danach soll der Angeklagte als 14-Jähriger in Afghanistan eine Zwölfjährige vergewaltigt haben. Das habe der junge Flüchtling dem Mitinsassen nach dessen Angaben erzählt, berichtete der Kripo-Beamte weiter.

Hussein K. war 2015 ohne Papiere nach Deutschland gekommen. Wegen einer Gewalttat an einer jungen Frau 2013 war er in Griechenland zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, im Oktober 2015 aber vorzeitig gegen Auflagen entlassen worden und kurze Zeit später untergetaucht. Über die Geschehnisse in Griechenland wollte K. auf Nachfrage der Richterin auch am Montag nicht sprechen.

Der Prozess wird an diesem Mittwoch fortgesetzt. Ein Urteil könnte im Dezember fallen.

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