Frauen leisten Gratis-Arbeit für fast eine Billion Euro

Ungleiche Chancen zwischen Frauen und Männern gehen auch auf die Verteilung unbezahlter Arbeit zurück, moniert der Gleichstellungsbericht.

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Frauen leisten im Schnitt pro Tag 87 Minuten mehr Hausarbeit als Männer. Dies geht aus dem Gleichstellungsbericht der Bundesregierung hervor, den Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) gestern vorgestellt hat. Diese Zahl mache deutlich, dass „es bei Belastungen und Chancen zwischen den Geschlechtern immer noch ungerecht zugeht“, sagte Barley. Nach Schätzungen liegt die durch unbezahlte Hausarbeit erzielte Wertschöpfung pro Jahr bei rund 1000 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im gesamten produzierenden Gewerbe sind es in Deutschland pro Jahr rund 800 Milliarden Euro.

Die Ministerin verwies dennoch auf Fortschritte, die bei der Gleichstellung von Mann und Frau in dieser Legislaturperiode erzielt worden seien. Sie nannte den Mindestlohn, der vor allem Frauen zugute komme, aber auch die Frauenquote in Aufsichtsräten großer Unternehmen und das im vergangenen Jahr beschlossene Gesetz, das gleichen Lohn für gleiche Arbeit vorschreibt. Nicht umgesetzt habe man das Rückkehrrecht von Teilzeit- in Vollzeitarbeit. „Das war mit unserem Koalitionspartner, der Union, nicht zu machen“, bedauerte die Ministerin.

Der Gleichstellungsbericht wird einmal pro Legislaturperiode von der Bundesregierung vorgelegt. Er soll Aufschluss darüber geben, inwieweit die im Grundgesetz geforderte Gleichstellung der Geschlechter durchgesetzt ist. Noch sei viel zu tun, sagte die Ministerin. Denn weiterhin verdienten Frauen im Lebensverlauf deutlich weniger Geld als Männer. Kontraproduktiv sei es, wenn Elternteile meinten, sich „für die Rolle des Ernährers beziehungsweise des Sorgenden“ entscheiden zu müssen.

Kritik an Barleys Bilanz kam von den Grünen. „Mit der Geburt des ersten Kindes trennen sich weiterhin die Welten von Männern und Frauen“, sagte die Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt. Vor allem sei es „fatal, dass das Rückkehrrecht auf Vollzeit“ nicht beschlossen worden sei.

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Kommentare

22.06.2017 20:52 Uhr

Jeder ist seines Glückes Schmied

Sehr geehrter Herr Gabel,

dass zwischen Männern und Frauen - im Durchschnitt betrachtet! - Lohnunterschiede bestehen, steht außer Frage. Jedoch muss man sich mal vor Augen führen, warum diese bestehen:

1.: Es wird in Deutschland kein junger Mensch gezwungen, die Weichen auf einen schlecht bezahlten Beruf zu stellen. Wer mehr Geld möcjhte, muss eben einen dementsprechenden Beruf ergreifen und dann auch die Leistung bringen!

2.: Es gibt keinen Zwang zu heiraten.

3.: Es gibt keinen Zwang, Kinder zu bekommen.

4.: Es gibt keinen Zwang, sich die Arbeit mit dem Partner nach der Geburt so aufzuteilen, dass ausschließlich die Frau ihre Erwerbsarbeit reduziert.


Fazit:

Die meisten Frauen wählen sich ihr Schicksal selbst. Fragen Sie doch mal eine Frau, ob sie es sich vorstellen kann, Karriere zu machen, das Familieneinkommen zu verdienen und bis zum Renteneintrittsalter voll durchzuarbeiten und dabei nebenher noch mindestens 50 % der Hausarbeit zu erledigen, wie es von den ach so "egoistischen" Männern neuerdings verlangt wird.

Nur die wenigsten Frauen wollen das. Sie bekommen Kinder, arbeiten vielleicht halbtags und wundern sich dann, dass sie weder die fette Kohle verdienen noch im Alter voll abgesichert sind.

Ursache und Wirkung. So einfach ist das!

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