Frau Bonobo und der Fernseher

Wie verhalten sich Affen, wenn sie die Gelegenheit haben, frei über ihren Fensehkonsum zu entscheiden? Die Wilhelma will es wissen.

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Politiksendungen werden, wer hätte es auch gedacht, von Primaten als eher langweilig empfunden. Das gilt für den Homo sapiens offensichtlich häufig gleichermaßen wie für Pan paniscus, den Bonobo also, dessen Fernsehverhalten jetzt genauer untersucht werden soll.

Zwar war bekannt, dass Bonobos Tierfilme Talkshows vorziehen, wie Untersuchungen in England ergeben haben. Die sind ja auch spannender, zumindest mehrheitlich. Auch Action und Cartoons und bunte Farben werden bevorzugt bei unseren nächsten Verwandten. Frei wählen konnten Frau und Herr Bonobo bisher freilich nicht. Diese Möglichkeit bietet ihnen jetzt erstmals die Stuttgarter Wilhelma. Mit einem TV-Gerät mit fünf Programm-Knöpfen.

Mehr braucht es ja auch nicht, das Spektrum eines durchschnittlichen Lebens abzubilden. Es geht um Sex (RTL II), Spiel (Pro 7), Aggressivität (SAT 1), Ernährung (die dritten Programme) und Natur (auf Arte und Phoenix).

Die Bonobo-Politik im Allgemeinen wird von Frauen dominiert, sagt Wilhelma-Sprecherin Karin Herczog, und an der TV-Programm- Schaltzentrale im Besonderen bisher von einer namens Banbo, die als erste herausgefunden hat, wie das Gerät funktioniert. "Was wird, wenn alle gelernt haben, die Knöpfe zu drücken?" fragt Herczog, welche Rolle übernehmen dann Menschenaffen-Männer? Bis zum Frühjahr will die US-amerikanische Primatologin Amy Parish den Bonobos beim Fernsehen zuschauen. Der Stuttgarter Zoo bietet sich dafür an, die 16-köpfige Bonobo-Gruppe ist eine der größten weltweit.

Bezahlt wird Parishs Arbeit von einer Stiftung in den USA, geforscht wird eben, so lange Geld fließt. Und vielleicht kommen die Bonobos ja zur gleichen Erkenntnis wie weiland Marcel Reich-Ranicki: "Och dieses Fernsehen, immer nur Tiere, die hin und her laufen."

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