Französinnen rütteln am Ideal der Frau von heute

"Stillt eure Babys!" - mit solchen Aufrufen rütteln derzeit Französinnen am Bild der modernen Frau. Sie sind allerdings in der Minderheit.

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Dass den Ausdruck "Rabenmutter" in Frankreich so gut wie niemand kennt, hat gleich zwei Gründe. Zum einen blickt die Kinderbetreuung außer Hauses in unserem Nachbarland auf eine beinahe 200-jährige Tradition zurück. Zum anderen tut der Staat dank einer als mustergültig gepriesenen Familienpolitik alles dafür, dass sich Frauen nicht zwischen Karriere und Kindern entscheiden müssen. Und tatsächlich ist die berufsstätige Mutter links des Rheins die Norm.

Den Ruf der Französin, erfolgreicher als andere den Spagat zwischen der Rolle als - zumeist mehrfachen - Mutter und einem Vollzeit-Job zu meistern, wird von der Statistik bestätigt. Während in Deutschland nur jede dritte Mutter mit Kleinkind arbeitet, steigen beinahe die Hälfte der französischen Mütter weniger als ein halbes Jahr nach der Geburt wieder in den Beruf ein.

Doch nun regt sich Widerstand gegen das Idealbild der modernen Französin. Vor allem die Eltern-Zeitschrift "Grandir Autrement" (Anders aufwachsen) hat sich zur Streiterin für ein anderes Mutter-Modell erklärt und bewirbt fleißig die fürsorgliche "Maman", die ihre Elternzeit trotz finanzieller Einbußen ausdehnt, möglichst lange stillt und waschbare Stoffwindeln verwendet.

Keineswegs zwischen den Zeilen stemmt sich das Blatt auch gegen die französische Familienpolitik, welche zwar die kinderreiche Familie steuerlich begünstigt und für ein dichtes Netz von Betreuungsplätzen sorgt, aber nur einen kurzen Erziehungsurlaub gewährt. Es sei eben "viel wichtiger, sich selbst um die Seinen zu kümmern", behauptet Chefredakteurin Sophie Elusse.

Elusse hält ihrer Zeitschrift zugute, dass der Anteil stillender Mütter in Frankreich von 31 Prozent im Jahr 1972 auf nun 69 Prozent gestiegen ist, obwohl auch die Krankenhäuser seit langem nachdrücklich zum Stillen raten. Doch viele Französinnen stoßen sich an der Minderheit einer "Pariser Öko-Elite", die Frauen zurück an den Herd scheuchen wolle. Die Philosophin und Feministin Elisabeth Badinter kritisiert die von "Grandir Autrement" propagierten Verhaltensmuster gar als "reaktionär" und schimpft über eine "im Zweifelsfall gutsituierte Still- Lobby", die berufstätigen und Fläschchen gebenden Müttern Schuldgefühle einreden wolle.

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