Familienministerium: Mehr Kinder in Deutschland von Armut bedroht

Die Zahl der Kinder, die in Deutschland von Armut bedroht sind, ist in den vergangenen Jahren angestiegen. Warum ist das so? Der Familienreport der Bundesregierung gibt Antworten.

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Mehr Kinder in Deutschland sind von Armut bedroht.  Foto: 

Wenn sich auf dem Fußballplatz die Nachwuchskicker zum Training treffen oder in der musikalischen Früherziehung die ersten Stehversuche am Glockenspiel unternommen werden, dann ist ein bestimmter Teil von Kindern in Deutschland deutlich seltener dabei: Jene Kinder, die in Familien mit geringem Einkommen aufwachsen.

Und sie werden immer mehr. Die Zahl der Kinder, die von Armut bedroht sind, ist zuletzt gewachsen. Das geht aus dem „Familienreport 2017“ der Bundesregierung hervor, der am Freitag in Berlin veröffentlicht wurde. Danach waren 2015 19,7 Prozent der Kinder unter 18 Jahren von Armut gefährdet, die Zahl stammt aus dem Mikrozensus von 2015. Das entsprach rund 2,8 Millionen Kindern und Jugendlichen. Im Jahr 2010 lag die Zahl noch 1,5 Prozentpunkt niedriger.

Besonders gefährdet: Kinder mit Migrationshintergrund

Als Ursache für die Entwicklung nennt der Bericht den erhöhten Zuzug von Kindern mit Migrationshintergrund. In der Gruppe der „selbst eingewanderten Minderjährigen“ sei die Quote des Armutsrisikos von 2011 bis 2015 von 36 auf 49 Prozent gestiegen. Bei Kindern ohne Migrationshintergrund sei der Anteil mit 13 Prozent konstant geblieben.

Besonders hoch ist das Armutsrisiko für Kinder von Alleinerziehenden. Laut Bundesregierung sind 44 Prozent von Armut bedroht. Zum Vergleich: Bei Kindern, die in Paarfamilien aufwachsen sind es lediglich 10 Prozent. Als arm gilt ein Haushalt dann, wenn er weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung zur Verfügung hat.

Der Report hat auch die Chancen der Kinder in Deutschland untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass diese ungleich verteilt sind. Kinder aus Familien mit geringen Einkommen nehmen demnach deutlich seltener an Sportangeboten, musikalischer Früherziehung oder künstlerischen Aktivitäten teil.

Barley: „Brauche Recht auf Ganztagesbetreuung“

Familienministerin Katarina Barley (SPD) sagte, man müsse vor allem für eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf sorgen. „Allein vernünftige Angebote für Grundschulkinder am Nachmittag helfen Müttern dabei, ihrem Beruf nachgehen zu können. Wir brauchen deswegen ein Recht auf Ganztagesbetreuung für alle Grundschulkinder.“ Die Betreuung habe auch positive Effekte auf die Entwicklung und das Wohlergehen der Kinder, so der Report.

Die Linke wirft der Bundesregierung vor, im Kampf gegen Kinderarmut gescheitert zu sein. Die große Koalition habe „dabei versagt, allen Kindern in unserem Land die gleichen Chancen und die gleiche Teilhabe an Bildung, Sport, Kultur zu sichern“, sagte Linken-Chefin Katja Kipping der Nachrichtenagentur AFP.

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Kommentare

15.09.2017 21:29 Uhr

Kinderarmut

Eine Ganztags arbeit geht normalerweise von 8- 17Uhr. Eine Ganztagsschule von 8-15 Uhr. Das hilft den Familien nicht. Es wäre weitaus besser, wenn man das Geld, was man in Hort und Ganztagsbetreuung steckt, den Familien zu gute kommen lassen würde. Man bekommt ja nicht Kinder, um sie anschliessend der staatlichen Fürsorge zu überlassen. Nichts gegen Kita, Schule, und Nachmittagsbetreuung. Aber man soll sich mal fragen, wer dann die Kinder dann erzieht, wenn beide Elternteile ganztags arbeiten. Die Eltern doch sicher nicht mehr, sondern die Lehrer, die Hortbetreuer, die Sozialarbeiter, die Freunde, das Internet, das Fernsehen etc. Man braucht sich nicht wundern, wenn die Kids heute sehr aggressiv sind, wenn ihnen die Geborgenhiet der Familie tagsüber weggenommen wird.

Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als der Mann die Familie versorgen und ernähren konnte. Manche Frauen sind halbtags arbeiten gewesen, und manchmal war es auf dem Land gar nicht üblich und machbar, dass Frauen die ganze Woche 8 Std. am Tag gearbeitet haben. Wer das möchte, bitteschön. Aber die Frauen, die unter der Woche die Kinder beaufsichtigen möchten, sollte man da mehr unterstützen.

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