Fahrgastverband: Beim ÖPNV auch Bedürfnisse Älterer sehen

Ältere Menschen tun sich mit dem ÖPNV oft schwer. Aber auch auf ihre Bedürfnisse kommt es an. Ein Interview mit Karl-Peter Naumann (Pro Bahn).

|

Immer häufiger werden Forderungen laut, den ÖPNV umzukrempeln. Henning Kraudzun befragte dazu Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn.

Herr Naumann, sollten die Verkehrsunternehmen künftig auf feste Routen und Haltestellen verzichten, um flexibler auf den Bedarf zu reagieren?

Karl-Peter Naumann: Man braucht feste Routen, vor allem in den Städten und auf gut nachgefragten Linien. Alternative Bedienungsformen sind dann sinnvoll, wenn Fahrgäste flexible Angebote benötigen oder Verbindungen zwischen Knotenpunkten geschaffen werden sollen. Künftig wird es mehr denn je unterschiedliche Systeme geben. Ein typisches Beispiel auf dem Land: Wenn Senioren einen Termin beim Arzt haben, dann brauchen sie eine individuelle   Fahrt und keinen Linienbus.

Welche Gefahren sehen Sie, wenn der öffentliche Nahverkehr immer weiter digitalisiert wird?

Wenn es nur noch digitale Lösungen gibt, schließt man einen erheblichen Teil der Menschen aus. Die Bedürfnisse sind unterschiedlich, darauf müssen Verkehrsunternehmen eingehen. Das heißt: Wer einen digitalen Fahrschein will, soll ihn auch bekommen. Allerdings sollte für Oma und Opa sowie Reisende, die auf Datenschutz Wert legen, auch das klassische Ticket angeboten werden.

Bleiben ältere Fahrgäste auf der Strecke?

Man sollte auch stärker die älteren Menschen einbeziehen und erfragen, welche Vorstellungen sie haben. Manche Städte und Gemeinden haben dieses Problem erkannt und bieten gezielte ÖPNV-Schulungen für Senioren an – Salzburg in Österreich geht da voran. Es ist doch so, dass manche Menschen ein Leben lang Auto gefahren sind. Man muss ihnen dann erst einmal erklären, wie das System der Busse und Bahnen funktioniert. Ebenso erkenne ich einen Bedarf an Mobilitätszentren in den Kommunen. Eine Hotline ersetzt keine Menschen.

Die Organisation des ÖPNV ist nach einer  Reform allein Ländersache. Sollte der Bund wieder die Fäden in die Hand nehmen, um eine Verkehrswende voranzutreiben?

Ich glaube, wir brauchen einen einen einheitlichen Rahmen.  Das kann man mit der Straßenverkehrsordnung vergleichen: Es gibt ein bundesweit geltendes Gesetz, allerdings wird vor Ort entschieden, wo zum Beispiel ein Halteverbot eingerichtet wird. Der Bund sollte den Rahmen festlegen, aber die Ausgestaltung muss Sache der Länder und Kommunen sein.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Wegen vollgelaufener Keller: Stadt soll Entwässerungssystem prüfen

Die Stadt soll das Problem der voll gelaufenen Keller am Kuhberg ernst nehmen, fordern rund 300 Unterzeichner einer Unterschriftensammlung. Die Ulmer Gemeinderats-Fraktionen stellen sich auf die Seite der Bürger. weiter lesen