Experten stehen hinter Gesetz zur Beschneidung

Bei der Bundestagsanhörung sprach sich die Mehrheit der Experten für das geplante Beschneidungsgesetz aus. Änderungsanträge wurden kritisiert.

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Der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur religiös motivierten Beschneidung von Jungen ist in einer Bundestagsanhörung von der Mehrzahl der elf Experten befürwortet worden. Einige Fachleute sehen in dem Ritual jedoch einen Verstoß gegen das Kindeswohl.

In der Anhörung vor dem Rechtsausschuss bewerteten die Mediziner, Juristen und Vertreter von Religionsgemeinschaften nicht nur den Gesetzesentwurf des Bundestags, sondern auch die Anträge der Abgeordneten. Jerzy Montag (Grüne) fordert in einem Änderungsantrag, dass der Protest eines Kindes gegen eine Beschneidung berücksichtigt werden soll. Er ist der Meinung, dass auch noch nicht einwilligungs- und urteilsfähige Kinder in der Lage seien, ihren Willen zum Ausdruck zu bringen. Außerdem verlangt Montag, die Frist, in denen Nicht-Ärzte die Beschneidung vornehmen dürfen, auf einen Zeitraum von 14 Tagen nach der Geburt zu beschränken. Problematisch ist für ihn, dass die "Laien" keine Narkosemittel verwenden dürfen.

Die SPD-Rechtspolitiker Burkhard Lischka und Christine Lambrecht fordern in einem Antrag unter anderem, dass das erforderliche Beratungsgespräch mit den Eltern von Ärzten geführt werden muss. Außerdem wollen sie, dass die Anforderungen an die Beschneider sowie an die Betäubung bundeseinheitlich geregelt werden.

Dass die Beschneidung erst ab dem 14. Lebensjahr erfolgen darf, verlangen die Kinderrechtspolitikerinnen Marlene Rupprecht (SPD) und Katja Dörner (Grüne) in einem weiteren Antrag. Diese Forderung sieht die Bamberger Rabbinerin und Medizinerin Antje Yael Deusel als problematisch an. Es sei den Kindern nur schwer zu vermitteln, warum sie so lange nicht zur Gemeinschaft dazugehören dürften. Zudem könne ein unbeschnittener jüdischer Junge keine Bar Mitzwa feiern. Diese findet in der Regel im 13. Lebensjahr statt. Deusel sagte, die Beschneidungen müssten erlaubt werden, "damit jüdisches Leben in Deutschland erhalten bleibt". Der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, sagte, ein solches Verbot widerspreche dem Recht auf Religionsfreiheit. Die anderen Anträge fanden nur bei einer Minderheit der Experten Zuspruch.

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Kommentare

29.11.2012 03:41 Uhr

BESCHNIDUNG

Dem Gesetzentwurf
nach könnte ich ja jetzt meinen Sohn kastrieren lassen solang
das man "ärztlicher Kunst" geschieht, ditto weibliche Beschneidung.
Einen fauleren Kompromiss als diesen Entwurf habe ich wohl seit
langem nicht zu sehen bekommen.
Sowie ich es sehe, haben sich inzwischen alle Christlichen Obrikeiten
mit den Haredim Orthodoxen unterstützt





Was in dem ganzen Palaver über die Beschneidung fehlt
[Hier das Archiv für die ganze Debatte, auch jetzt in der USA,
http://analytic-comments.blogspot.com/2012/08/the-circumcision-debate-links-and.html ]
ist die archäologische Dimension. Woher stammt der Brauch der dem der Weiblichen
Beschneidung/ Verstümmlung gleicht in dem er die selben Nerven durchschneidet? Weder der Ritus noch der Brauch sind nur in Abrahmistischen Religionen vorzufinden, nur eben das identitätsstiftenden, aus Trotz einer alter Macht gegenuber.


Warum wird jemand wie Professor Michael Wolffsohn nicht ueber andere Juedischen Ansichten befragt?

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28.11.2012 12:21 Uhr

Nur ein halber Bericht

Es ist nicht verwunderlich, daß die Mehrzahl der geladenen Sachverständigen
für die Beschneidung war - schließlich hatte man ja auch 9 erklärte Befürworter
und nur 2 Gegner geladen. Eine Beteiligung von Menschen, die unter den Folgen
ihrer frühkindlichen Beschneidung seelisch und körperlich leiden, war übrigens
auch nicht erwünscht - stattdessen ließ man lieber Vertreter der Zentralräte sprechen.

Es wäre auch erwähnenswert Gewesen, daß Dr.Hartmann eine Studie vorlegte, aus
der hervorging, daß es in Deutschland in den letzten 2 Jahren zu mindestens 1858
behandlungsbedürftigen Komplikationen kam, also rund 3 pro Tag - und das sind nur
die Zahlen einiger Ärzte, die Dunkelziffer liegt hier vermutlich deutlich höher, da man
lange nicht alle erfolgten Beschneidungen auswerten konnte.

Die Sitzung des RA war eine Farce, die nur dazu dienen sollte vorzutäuschen, man würde
sich ausgewogen informieren. Klingt hart, ist aber leider nicht von der Hand zu weisen.

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28.11.2012 08:59 Uhr

Kotau vor der Religionisten-Lobby

Der Kotau vor der Religionisten-Lobby! Was waren das für Experten? Religionssachverständige? Deutschland stellt das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit der Schwächsten unter das Recht zur Ausübung bronzezeitlicher Riten. Kinderärzte und Kinderrechtler werden von höchster Stelle des Antisemitismus bezichtigt. Und dafür verlangt die Kanzlerin mehr Toleranz? Nein, diese Diskussion wird noch lange nicht aufhören.

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