Ex-Kämpfer Bogdan Tschaban ruft zur Versöhnung im Donbass auf

Der Krieg in der Ostukraine hat aus dem Donezker Jungunternehmer Bogdan Tschaban erst einen antirussischen Partisanenkämpfer und dann einen Häftling gemacht. Jetzt agitiert er für Versöhnung.

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Vom Frontkämpfer zum Friedensaktivisten: Bogdan Tschaban engagiert sich für eine Verständigung in seiner Heimat.  Foto: 

Erst am Mittwochnhaben Freunde aus Donezk angerufen, dort habe noch eine Metallannahmestelle aufgemacht. Die Bergleute der Rebellenhauptstadt verkauften das eiserne Inventar ihrer Gruben, um zu erleben. "Ein schlechter Frieden ist besser als Krieg." Bogdan sitzt mit einem schrägen Lächeln hinter seinem alkoholfreien Mojito. "Aber für Donezk ist es ein beschissener Frieden."

Bogdan Tschaban, 22, mager und blass, sieht man nicht an, dass er einmal Cafébesitzer, Straßenaktivist, Partisanenkrieger war. Er zerbricht sich den Kopf über den Frieden. "Es hängt alles vom Verhandlungsprozess ab."

Bogdan redet, lächelt, redet weiter. Ein Kommunikationstalent. Als 19-Jähriger eröffnete er das Kreativ-Café "Isba-Tschitalna", veranstaltete dort Lesungen und Gitarrenkonzerte. Als im März 2014 die separatistischen Unruhen begannen, organisierte er die patriotischen Gegendemonstrationen mit. Nach dem Sieg der Separatisten zog er nachts mit Gleichgesinnten durch die Stadt. Die ersten Rebellenkämpfer verschwanden. "Im Dunkeln betrunken mit der Maschinenpistole herumzulaufen, war für Separatisten nicht ratsam", sagt Bogdan. Die Rebellenbehörden verdächtigten ihn, im Juni verließ er Donezk. Er schloss sich einem ukrainischen Freiwilligenbataillon an, wurde Frontkämpfer, überlebte die Kesselschlacht von Ilowaisk, formierte im Herbst die "Schnecken", einen eigenen Rebellentrupp. Sie agierten auf beiden Seiten der Front, fingen Beamte der Rebellenrepubliken, separatistische Aktivisten. Aber wie andere Freischärler waren die "Schnecken" der ukrainischen Staatsmacht ein Dorn im Auge. Als sie im Mai mehrere Verdächtige mit Waffen und separatistischen Fahnen gefangen nahmen und die Polizei riefen, wurden sie selbst festgenommen. Sie landeten in einem Mariupoler Untersuchungsgefängnis, kamen im Juni auf Bürgschaft mehrerer Parlamentsabgeordneter frei.

Bogdan führt keinen Krieg mehr, veranstaltet mit Freunden in Mariupol Jazz-Prosa-Konzerte und Straßenmalwettbewerbe. Oft wird er gefragt, ob er bei den Wahlen im Oktober für den Stadtrat kandidieren möchte. Er winkt ab. "Was kann ein Abgeordneter im Stadtrat schon verändern? Als gesellschaftlicher Aktivist habe ich mehr Freiheit, kann die Politiker mit der Nase auf unangenehme Probleme stoßen."

Bogdan geht es wie zehntausenden sozial aktiven jungen Ukrainern. Sie glauben an Demokratie, haben die Maidan-Revolution mitgetragen, danach an der Front gegen die Separatisten gekämpft. Sie organisieren, bloggen und diskutieren. Aber das bestehende politische System stößt sie ab.

Auf Facebook und in Interviews ruft Bogdan zur Versöhnung in der Ostukraine auf. "Wir müssen dem Donbass zeigen, dass es gut ist, in der Ukraine zu leben, dass wir uns um die Leute dort sorgen."

Zu Bogdans Friedfertigkeit mag auch die Untersuchungshaft beigetragen haben. Er und zwei seiner Kameraden saßen gemeinsam mit drei Rebellen in einer Zelle. Die begannen, miteinander zu reden, stellten fest, dass sie sich bei allem Hass gemeinsame Bekannte, Erinnerungen und Gedanken teilten. "Wir haben uns angefreundet", staunt Bogdan selbst. Als er frei gelassen wurde, erfüllte er die Bitte eines inhaftierten Separatisten. Er schickte in dessen Namen einen Strauß Blumen nach Donezk, zur Freundin des Rebellenkämpfers. Das Mädchen hat vor Freude geweint.

Noch macht der Krieg im Donbass nur Pause. Aber der Frieden ist keine Unmöglichkeit mehr.

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