EU verschärft bei Brexit-Gesprächen den Ton

Die Vorschläge Londons zur künftigen EU-Grenze zwischen Irland und Nordirland kommen in Brüssel nicht gut an. London muss nachlegen.

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EU-Ratspräsident Jean-Claude Juncker: Brexit-Verhandlungen stocken  Foto: 

In den zähen Verhandlungen über den EU-Austritt Großbritanniens verschärft der Brüsseler Unterhändler Michel Barnier den Ton. Der Franzose wischte die Vorschläge aus London zum künftigen Verhältnis zwischen Irland und Nord­irland vom Tisch und verlangte neue. Zudem bekräftigte Barnier die EU-Finanzforderungen an Großbritannien und warnte London vor Illusionen zum künftigen Zugang zum EU-Binnenmarkt.

London und Brüssel verhandeln seit Juni über die Bedingungen des für 2019 geplanten EU-Austritts Großbritanniens, bisher aber ohne greifbare Ergebnisse. Das künftige Verhältnis des EU-Landes Irland zum britischen Nordirland gilt dabei als eine der kompliziertesten Fragen, die zuerst geklärt werden sollen.

Denn nach dem Brexit wird die irische Insel, die derzeit wie ein gemeinsamer Wirtschaftsraum ohne Grenzen funktioniert, von einer EU-Außengrenze durchzogen. Politisch heikel: Das Zusammenwachsen beider Teile der Insel war Grundlage des Friedensprozesses, der jahrzehntelange Gewalt zwischen nationalistischen Katholiken und pro-britischen Protestanten in Nordirland beendete. Die Prinzipien des Karfreitagabkommens von 1998 sollen nach Barniers Worten unbedingt erhalten bleiben und eine harte Grenze vermieden werden.

Zeitplan in Gefahr

Großbritannien sieht das genauso. Die Regierung hatte vor einigen Wochen vorgeschlagen, die Probleme mit einem Zollabkommen zu lösen und auf Grenzkontrollen auch künftig zu verzichten. Barnier wies dies jedoch zurück und warf der britischen Regierung vor, damit schon Pflöcke für die künftigen Beziehungen zur EU insgesamt einrammen zu wollen. „Großbritannien will, dass die EU an ihrer künftigen Außengrenze ihre Gesetze außer Kraft setzt ebenso wie die Zollunion und den Binnenmarkt“, sagte Barnier. „Großbritannien will das als eine Art Testlauf für die künftigen Zollbeziehungen zwischen Großbritannien und der EU. Das wird nicht passieren.“

Barnier präsentierte am Donnerstag selbst ein Verhandlungspapier zu der irischen Frage, das aber ausdrücklich nur Grundsätze und keine praktischen Lösungen bieten soll. Diese Aufgabe obliege Großbritannien, da dessen geplanter EU-Austritt die Probleme erst schaffe, heißt es darin.

Die EU will die irische Frage – sowie den künftigen Status von EU-Bürgern in Großbritannien und die Schlussrechnung für das Vereinigte Königreich – zuerst klären. Eigentlich wollte man das bis Ende Oktober schaffen, doch äußert sich die EU-Seite zum Zeitplan inzwischen skeptisch. Erst in einer zweiten Phase will die EU über die künftigen Handels- und Sicherheitsbeziehungen sprechen

Barnier legte neben den „Grundsätzen“ zur Irland-Frage noch vier weitere Verhandlungspapiere zu Einzelfragen vor.

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