Etablierte Parteien entsetzt über Trump-Sieg - Populisten jubeln

|
Vorherige Inhalte
  • Triumph eines unwahrscheinlichen Wahlsiegers: In seiner Dankesrede am frühen Mittwochmorgen betonte Donald Trump, er wolle die USA wieder einen. 1/2
    Triumph eines unwahrscheinlichen Wahlsiegers: In seiner Dankesrede am frühen Mittwochmorgen betonte Donald Trump, er wolle die USA wieder einen. Foto: 
  • SWP GRAFIK 2/2
    SWP GRAFIK Foto: 
Nächste Inhalte

Der Überraschungssieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl versetzt Amerika und das Ausland in Aufruhr. Mit seinem Triumph über Hillary Clinton widerlegte der als Außenseiter ins Rennen gegangene Populist die meisten Umfragen. Er regiert von Januar an die größte Wirtschafts- und Militärmacht der Welt. Dank des Doppelsiegs seiner Republikaner in beiden Kongresskammern kann er politische Vorhaben voraussichtlich ohne politische Gegenwehr durchsetzen.

In seiner Dankesrede sagte Trump vor Anhängern in New York, er wolle das tief gespaltene Land nun einen. Den Menschen anderer Länder biete er die Partnerschaft der USA an. „Wir werden gemeinsame Grundlagen anstreben, nicht Feindseligkeit“, versprach der 70-Jährige. Amerika gehe aber vor.

Die unterlegene demokratische Kandidatin Hillary Clinton räumte ihre Niederlage ein. „Das ist schmerzhaft und wird es für lange Zeit sein“, sagte sie am Mittwoch in New York. „Unser Land ist tiefer gespalten, als wir dachten“, fügte sie hinzu. „Doch unsere Demokratie verlangt unsere Mitarbeit, und das nicht nur alle vier Jahre.“ US-Präsident Barack Obama gratulierte seinem Nachfolger. Beide wollten sich am heutigen Donnerstag treffen, teilte Obama mit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bot Trump eine enge Zusammenarbeit an. Zugleich erinnerte sie ihn an dessen künftige Verantwortung. „Wer dieses große Land regiert, mit seiner gewaltigen wirtschaftlichen Stärke, seinem militärischen Potenzial, seiner kulturellen Prägekraft, der trägt Verantwortung, die beinahe überall auf der Welt zu spüren ist“, sagte Merkel im Kanzleramt. Im Wahlkampf hatte Trump Merkels Politik als „totales Desaster“ bezeichnet.

Die Präsidenten des EU-Rats und der EU-Kommission luden Trump in einem Glückwunschschreiben zu einem baldigen Gipfeltreffen in Europa ein. Bei einem Sondertreffen wollen die EU-Außenminister am Sonntagabend in Brüssel über die neue Lage beraten.

Die meisten europäischen Politiker erwarten schwierigere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Viele macht ein US-Präsident frösteln, der Russlands Präsident Wladimir Putin für einen „großen Staatsmann“ hält und von Rechtspopulisten in Frankreich, Holland, Großbritannien und Belgien bejubelt wird. Denn auf die EU kommen Abstimmungen zu, bei denen die etablierte Politik mit dem Rücken zur Wand steht: Österreich (Präsidentschaft), Italien (Verfassungsreferendum), 2017 dann Holland (Parlament), Frankreich (Präsidentschaft, Parlament), Deutschland (Bundestag). Überall erhofft sich eine nationale Rechte vom Erfolg des System-Zertrümmerers Trump zusätzlichen Schub.

Rechtspopulisten quer durch Europa sehen in Trumps Sieg ein Aufbruchsignal. Der „historische Wahlerfolg“ des Republikaners sei ein Zeichen, „dass die Bürger in der westlichen Welt einen klaren Politikwechsel wollen“, sagte die stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Beatrix von Storch. Auch Geert Wilders aus den Niederlanden, Marine Le Pen aus Frankreich und Nigel Farage aus Großbritannien begrüßten den Wahlsieg.

Anleger weltweit zeigten nach dem ersten Schock Gelassenheit. Anders als im Juni nach dem überraschenden Ja der Briten zum Brexit stabilisierten sich die Kurse nach anfänglichen Abschlägen weitgehend wieder und stiegen teilweise sogar an.  dpa/afp/kpr

Kommentar, Sonderseiten, Blick in die Welt und Wirtschaft

Trumps Triumph: Albtraum statt Traum

Es ist einfach und wohlfeil, in diesen Stunden mit Entrüstung auf Donald Trump zu zeigen, ihm noch einmal all seine unglaublichen Verfehlungen und Beleidigungen vorzuhalten, um dann verwundert zu fragen: Wie konnte das passieren?

Die Frage ist die richtige – die Antwort ist aber vielschichtiger als der Verweis auf einen großspurigen Sprücheklopfer, der mit einfachen Parolen enttäuschte, meist weiße Amerikaner dazu verführte, ihn zu wählen. Donald Trumps Triumph legt in schonungsloser Weise unsere eigenen Defizite bloß. Er verändert und spaltet nicht nur die amerikanische Nation, er ist zugleich Fanal für das kriselnde Europa  – und damit auch für Deutschland.

Die Demokratien in weiten Teilen der Welt befinden sich in einer beispiellosen Vertrauens- und Legitimationskrise. Aufgeblähte Bürokratie- und Lobbyapparate wie in Washington oder Brüssel entfernen sich immer weiter von der Realität der Menschen, über deren Leben sie entscheiden. Statt Teilhabe am politischen Prozess bleibt gerade den sozial Benachteiligten oft nur Resignation. Das Vertrauen, demokratisch geführte Staaten könnten das eigene Leben verbessern oder Lösungen für drängende Probleme finden, ist in diesen Teilen der Bevölkerung zum allergrößten Teil verschwunden. Stattdessen bricht sich die Wut auf das Establishment Bahn.

Genau in diese Lücke ist Donald Trump in geradezu diabolischer Weise gestoßen. Mit seinen Tabubrüchen und einfachen Erfolgsversprechen hat er den Verstummten eine Stimme gegeben. Und jeder hämische Kommentar, jede beleidigende Äußerung durch den politischen Gegner und die Medien machte Trump stärker. Mehr noch: Als von den Eliten Geächteter wurde er, der Milliardär, in den Augen seiner Fans selbst zum Benachteiligten, zum Verlierer, zum Außenseiter.

Jetzt wird Trump US-Präsident – vor wenigen Wochen noch unvorstellbar. Sein banales Erfolgsrezept könnte Vorbild werden für die Rechtspopulisten Europas. Der amerikanische Traum: Für viele ist er nur noch ein Albtraum.

Hallo. Ich bin ein kleiner Blindtext. Und zwar schon so lange ich denken kann. Es war nicht leicht zu verstehen, was es bedeutet, ein blinder Text zu sein: Man macht keinen Sinn. Wirklich keinen Sinn. Man wird zusammenhangslos eingeschoben und rumgedreht – und oftmals gar nicht erst gelesen. Aber bin ich allein deshalb ein schlechterer Text als andere? Na gut, ich werde nie in den Bestsellerlisten stehen. Aber andere Texte schaffen das auch nicht. Und darum stört es mich nicht besonders blind zu sein. Und sollten Sie diese Zeilen noch immer lesen, so habe ich als kleiner Blindtext etwas geschafft, wovon all die richtigen und wichtigen Texte meist nur träumen.

Trotz des leichten Stimmenvorsprungs von Clinton hat Trump mehr Wahlmänner auf sich vereinigt.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

10.11.2016 09:30 Uhr

..jetzt wird es eng...

für die allgemeine Presse. Trump ist nur ein Alptraum für die selbsternannten Eliten, nicht für den normalen "Pöbel", zu dem ich mich nun auch zählen muß. Aber ich gehöre nach dem gestrigen Tag gerne dazu, da ich gesehen hab, daß es immer mehr von uns gibt.

Die Presse hat jetzt ein riesiges Problem, sie hat jetzt zwei Personen, auf die eingedroschen werden muß, im Osten Putin und im Westen Trump...,dann bleiben nur wir Deutschen als die Guten übrig, als Moralapostel dieser Welt. Ich lach mich tot...

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Oberbürgermeister Gunter Czisch: „Wir müssen mit klarer Kante antworten!“

Oberbürgermeister Gunter Czisch im Interview über die Sicherheitslage in der Bahnhofstraße, überzogene Reaktionen des Handels und neue Ideen für eine attraktive City. weiter lesen