Es tut sich was im Land

Hinsichtlich möglicher Reformen in Nordkorea ist Werner Pfennig, "vorsichtig optimistisch". Um die Isolation aufzubrechen, müssten sich aber auch und vor allem die USA bewegen.

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Wie reformfreudig ist Kim Jong-Un?

WERNER PFENNIG: Er ist seit seinem Amtsantritt durch Trauer und äußere Gesten - Auftritte mit seiner Frau und Besuche von Vergnügungsparks - aufgefallen. Mit seiner Neujahrsansprache ist er zu Inhalten übergegangen, er spricht von drastischen Veränderungen. Nordkoreaner können das als Abkehr von der bisherigen Politik sehen.

Wie stark ist er im eigenen Land, akzeptiert ihn das Militär?

PFENNIG: Da ist ein junger Mann, gerade 30 Jahre alt, der bisher außer Enkel und Sohn zu sein, nichts vorzuweisen hat. Er ist umgeben von Generälen, die Mitte bis Ende 70 sind. In keinem Land der Welt würde er als Oberkommandierender akzeptiert werden. Das Militär hat auch massive Wirtschaftsinteressen, ihm gehören Farmen und Fabriken. Wenn jetzt kleine Wirtschaftsreformen kämen, wäre davon auch die Armee betroffen.

Kann er trotzdem was bewegen?

PFENNIG: Ich bin vorsichtig optimistisch. Es tut sich was in Nordkorea. Die Gesellschaft ist mobiler geworden, das Denken beweglicher. Es gibt mehr Autos, mindestens eine Million Mobiltelefone, mit denen aber nicht ins Ausland telefoniert werden kann. Es gibt mehr Märkte, auf denen es - zu hohen Preisen - ein breites Angebot gibt.

International bleibt das Land isoliert, wie kann Kim das ändern?

PFENNIG: Die ausländischen Reaktionen auf seine Neujahrsrede, in der er auch vom Ende der Konfrontation sprach, haben mich enttäuscht. Da kam nur das stereotype "nichts Neues, er muss Vorleistungen bringen".

Was muss er denn bringen?

PFENNIG: Aus Sicht der USA muss er die Lebensversicherung Nordkoreas aufgeben, die Atomwaffe. Die ist zwar mangels Trägerrakete wohl nicht einsatzfähig, aber das Land kann nukleare Bomben bauen. Die USA sagen seit Jahren, ihr müsst erst tun, was wir wollen. Dann reden wir darüber, was ihr wollt. Das kann nicht funktionieren.

Wie könnte es vorangehen?

PFENNIG: Die beiden müssen sich an einen Tisch setzen, am Ende sollte ein Friedensvertrag herauskommen, bisher gibt es nur den Waffenstillstand von 1953. Die Nordkoreaner fühlen sich bedroht. Sie sind nicht mal sicher, ob sie sich auf China verlassen können. Wenn ein Friedensvertrag den Bestand des Landes garantiert, könnte Pjöngjang anders agieren. Da muss der erste Schritt von den USA kommen.

Gibt es international überhaupt ein Interesse an Veränderungen?

PFENNIG: China, Japan und die USA sind an ein geteiltes Korea gewöhnt. Wenn die Situation nicht gefährlich eskaliert, können sie gut mit dem Status quo leben. China genießt Nordkorea als Puffer gegenüber den USA, die mit mindestens 27 000 Mann in Südkorea stehen.

Und Japan?

PFENNIG: Ein vereintes Korea ist für viele in Japan eine Schreckensvorstellung. Sie denken an die 1,1 Millionen Soldaten im Norden und 800 000 Mann im Süden. Von der leidgeprüften Bevölkerung Nordkoreas abgesehen profitieren alle anderen von der jetzigen Situation.

Info Dr. Werner Pfennig ist Korea-Experte am Institut für Koreastudien der Freien Universität Berlin.

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