Entführung wegen Streit um Geld

Der Hintergrund der zweitägigen Entführung des Publizisten Hamed Abdel-Samad wird immer mysteriöser. Offenbar ging es um offene Schulden.

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Die Entführung des deutsch-ägyptischen Publizisten Hamed Abdel-Samad hat einen kriminellen und keinen islamistisch-politischen Hintergrund. Sein Verschwinden bleibt aber rätselhaft. Laut der ägyptischen Polizei wurde der 41-Jährige von Leuten verschleppt, die er kannte und mit denen er sich um Geld streitet. Ermittler erklärten, Abdel-Samad habe mit seinen Entführern Geschäftsbeziehungen. Sie hätten ihn freigelassen, nachdem er eine Schuldverschreibung unterzeichnet habe. Nach Aussagen von Freunden wurde er bei der 48-stündigen Odyssee leicht am Auge und am Kopf verletzt.

Der Buchautor, der aus Ägypten stammt und die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, will sich nach seiner Rückkehr nach Deutschland heute oder morgen zu Einzelheiten äußern. Bis dahin hält er sich in der deutschen Botschaft in Kairo auf und wird weiter von ägyptischen Kriminalbeamten befragt.

Die Familie des Entführten hatte gegenüber der Polizei als mögliche Täter zum einen islamische Fanatiker genannt, aber auch Geschäftspartner, die ihm offenbar eine hohe Geldsumme schulden. Laut seinem Bruder Mahmud Abdel-Samad beschäftigt der Fall bereits die Gerichte. Um wie viel Geld es geht, ist offen. Erst hatte der Bruder gesagt, in dem Streit mit lokalen Investoren gehe es um 240 000 Euro. Nach der Freilassung hieß es dann, die strittige Summe betrage 250 000 ägyptische Pfund (rund 27 000 Euro).

Der Fall des deutsch-ägyptischen Publizisten, der in seinem Geburtsland praktisch unbekannt ist, hatte in Deutschland Aufsehen erregt, weil ein ägyptischer Salafistenprediger ihn im Juni für vogelfrei erklärt hat. Hamed Abdel-Samad hatte einen Vortrag mit dem Titel "Der Islamische Faschismus" gehalten. Darin kritisierte er den Islam als intolerant und gewalttätig, Eigenschaften, die seiner Meinung nach bis in die Gründungsjahre durch den Propheten Mohammed zurückgehen.

Hamed Abdel-Samad, 1972 in Ägypten geboren, kam im Alter von 23 Jahren nach Deutschland, studierte in Augsburg Politologie und forschte am Institut für Islamwissenschaften in Erfurt und am Institut für Jüdische Geschichte und Kultur in München. In Deutschland wurde er durch die satirische TV-Serie "Entweder Broder - Die Deutschland-Safari" bekannt.

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