Ein Auto für Putin

Kremlchef Wladimir Putin fährt Mercedes. Russische Unternehmen sind aufgerufen, eine eigene Karosse zu entwerfen. Der Erfolg ist offen.

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Russlands Autobauer wetteifern um ein Ziel: eine vaterländische Staatskarosse für Wladimir Putin. Im Dezember hatte der Präsident eine Panzerlimousine der Moskauer SIL-Werke getestet, aber bei allem Patriotismus stieg er danach wieder in seinen Mercedes. "Es gibt Mängel, die man beseitigen muss", erklärte ein Kreml-Beamter der Zeitung "Iswestija" zu dem SILModell, das als Variante jener "ZK-Laster" gilt, in denen schon Leonid Breschnjew und seine Genossen fuhren.

SIL produziert seit 2002 nur noch Lastwagen. Experten zweifeln deshalb, ob die Fabrik fähig ist, ein Fahrzeug zu bauen, dss zu dem sportlich-dynamischen Staatschef passt. Ähnliches gilt für die GAS-Werke in Nischni Nowgorod. Diese wollen eine andere sowjetische Nomenklatura-Limousine wiederbeleben, die "Tschaika", holten aber 2010 ebenfalls ihren letzten Pkw vom Band. Die neuen "Tschaikas" will man auf Mercedes-Fahrwerke setzen.

Der Sportwagenproduzent "Marussia" hat mit dem zentralen Autoforschungsinstitut das Preisausschreiben "Ein Automobil für den Präsidenten" gestartet. Die Teilnehmer sollen nur vier Zeichnungen einreichen. "Technisch ist kein russischer Produzent in der Lage, Putin ein Auto zu bauen", sagt Autofachmann Wladimir Rogowjez. "Weil sie keine konkurrenzfähigen Motoren haben, außer für Schützenpanzer."

"Marussia" verwendet Cosworth-Motoren, "Russo-Balt" versuchte 2006 ein Comeback mit einer Karosserie im Stil der 30er Jahre, drinnen steckte Technik von Rolls Royce. "Das ist Facelifting, kein Autobau", sagt Rogowjez. Trotzdem wird "Russo-Balt" als möglicher Hersteller der neuen Limousine gehandelt. Denn das Unternehmen war einer der Hauptlieferanten des Zarenhofs. "Russo-Balt" fuhren Großfürsten und Generalstäbler, die Gewinner mehrerer Rallyes von Sankt Petersburg nach Monte Carlo. Ein "Russo-Balt" erreichte 1910 als erster Kraftwagen den Gipfel des Vesuv. Sollte ein neu kreierter "Russo-Balt" wirklich Putins Staatskarosse werden, wird unter der Motorhaube nach Ansicht fast aller russischen Beobachter ausländische Technik brummen. "Das Prestige Putins oder Russlands", sagt Rogowjez, "steigert so ein Auto nicht."

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