Drei Ärzte entscheiden

Mehr Kontrollen und staatliche Aufsicht sollen für neues Vertrauen in die Organspende sorgen und Missbrauch verhindern. Über die Aufnahme in Wartelisten sollen mindestens drei Ärzte entscheiden.

|

Für die Organisation und Überwachung von Organspenden und Transplantationen soll keine neue staatliche Superbehörde eingerichtet werden. "Wir sind uns einig, dass sie nichts besser machen würde", sagte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) gestern nach einem Spitzentreffen mit Vertretern der Bundesländer, der Ärzteschaft und anderer Institutionen.

Hintergrund sind die Transplantationsskandale in Göttingen und Regensburg, wo es zu Manipulationen an Krankendaten gekommen sein soll. Bahr will möglichst rasch wieder für Vertrauen in die Organspende sorgen. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation bleibt die Koordinatorin. Allerdings werden bei ihr künftig neben Krankenkassen, Krankenhausgesellschaft und Bundesärztekammer auch Bund und Länder mitreden und -entscheiden. Ihre Prüfberichte werden veröffentlicht. Zudem wird eine Stelle zur auch anonymen Meldung von Auffälligkeiten eingerichtet.

Um Manipulationen möglichst zu vermeiden, soll in den bundesweit rund 50 Transplantationszentren das Sechsaugenprinzip eingeführt werden: Über die Aufnahme von Patienten in Wartelisten und die Einstufung der Dringlichkeit entscheiden mindestens drei Ärzte. Davon darf einer nichts mit der Transplantation zu tun haben. Alle Abläufe sollen besser dokumentiert werden, auch die umstrittene Schnellvergabe von Organen. Außerdem sollen die Krankenhäuser den Ärzten keinen Bonus mehr für besonders viele Operationen zahlen.

Die Prüfungskommission soll künftig bundesweit unangekündigte Stichproben in den Transplantationszentren durchführen. Zudem soll sie professioneller arbeiten, unter anderem mit unabhängigen medizinischen Experten sowie einer eigenen Geschäftsstelle. Bund und Länder wollen die bestehenden Straf- und Ordnungswidrigkeitsregeln überprüfen. Zudem könnten Kliniken bei eklatanten Verstößen gegen die Regeln das Recht verlieren, bestimmte Organe zu verpflanzen.

Nicht allen Teilnehmern des Treffens gehen die Vereinbarungen weit genug. Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD) forderte, der Staat solle die Richtlinien der Bundesärztekammer zur Organtransplantation überprüfen. Darin ist sie sich mit ihrer baden-württembergischen Kollegin Katrin Altpeter (SPD) einig, die an dem Treffen nicht teilnahm. Sie fordert außerdem, dass an der Tagung der Prüfungskommission immer ein Vertreter des betroffenen Landes teilnehmen müsse. Normalerweise sitzen in dem Gremium nicht alle 16 Bundesländer, sondern nur einige.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

ICE-Lokführer verpennt Halt in Neu-Ulm

Seit dem Fahrplanwechsel hält täglich einmal ein ICE in Neu-Ulm. Das klappt noch nicht so gut, wie am Dienstag zu sehen war. 50 Passagiere blieben am Bahnsteig zurück. weiter lesen