Leitartikel zu 100 Tage Donald Trump: Präsident der Illusion

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    Donald Trump ist seit 100 Tagen im Amt. Foto: 
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    SWP USA-Korrespondent Peter de Thier. Foto: 
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Donald Trump und seine Fürsprecher im Weißen Haus leben in einer Pa­rallelwelt. In dieser waren die ersten 100 Tage des 45. US-Präsidenten im Amt ein rauschender Erfolg: Der Aufschwung am Arbeitsmarkt setzt sich fort, die Wirtschaft wächst und wird weiter an Fahrt gewinnen, sobald die von Trump angeordnete Deregulierung und die geplante Steuerreform wirken. Und mit militärischen Kraftakten, Strafzöllen und dem Bau einer Grenzmauer verschafft man der Nation international wieder Respekt. So glauben sie.

In der 1600 Pennsylvania Avenue herrscht auch die Überzeugung, dass Trumps Twitter-Tiraden deswegen so gut ankommen, weil sie einen erfrischenden, neuen Regierungsstil symbolisieren. Dafür, dass Trump laut Umfragen nach gut drei Monaten im Amt der unbeliebteste Präsident in der Geschichte ist, gibt es auch eine Erklärung: Umfragen bedeuten nichts, das habe schließlich der überraschende Wahlsieg im vergangenen November bewiesen.

Es ist eine Welt jenseits der Realität. Zur Erholung am Arbeitsmarkt hat Trump nicht nur keinen Beitrag geleistet. Als die Arbeitslosenquote unter seinem Vorgänger bereits die Fünf-Prozent-Marke unterschritten hatte, stellte er die Legitimität derselben amtlichen Statistik in Frage, mit der er sich nun schmückt. Die Deregulierung per Dekret hilft der Öl- und Kohleindustrie, schadet aber der Umwelt. Und die Steuerreform dürfte am Schluss ganz anders aussehen als der diese Woche vorgestellte Entwurf.

Die Außen- und Sicherheitspolitik, ob im Verhältnis zu Syrien, Russland oder Nordkorea, gibt Rätsel auf, da keine klar konzipierte Strategie zu erkennen ist. Waren etwa die Raketenangriffe gegen einen syrischen Militärstützpunkt sowie der Flottenverband, der Kurs auf die koreanische Halbinsel genommen hat, einmalige Muskelspiele oder Vorboten eines dauerhaften US-Engagements?

Trump zählt Unberechenbarkeit zu seinen Stärken, da man nur so politische Gegner und Feinde auf dem falschen Fuß erwischen könne. Dabei  verkennt er aber das Wichtigste: Er verunsichert nicht nur Verbündete und Wirtschaftspartner rund um den Globus. Auch beunruhigt er seine eigenen Landsleute. Die wollen schließlich ein Mindestmaß an Stabilität sehen und wissen, in welche Richtung das Land steuert. Insbesondere wollen sie dem Präsidenten vertrauen können. Eine deutliche Mehrheit hält Trump aber für einen Lügner.

Der Präsident hat während seiner Feuertaufe zwar dazugelernt. So hat er zu spüren bekommen, dass er kein Alleinherrscher ist, sondern Gerichte ihn bremsen können. Außerstande ist er aber, die Würde seines hohen Amtes zu respektieren und sich staatsmännisch zu verhalten. Auch unterschätzt er, dass sein Kreuzzug gegen freie Medien diese erst recht darin bestärkt, Belastendes auszugraben. Nach nur 100 Tagen von einer gescheiterten Präsidentschaft zu sprechen, ist zwar verfrüht. Bleiben aber Realitätsferne, Lügen und ein impulsives, kindisches Temperament weiter Trumps Markenzeichen, könnten seine Tage in Washington gezählt sein.

leitartikel@swp.de

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