Diskussion um flexiblere Arbeitszeiten unnötig

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Sind die Ventile einmal geöffnet, gibt es meist kein Halten mehr. In der deutschen Arbeitswelt muss man sich da nur den Anstieg der befristeten Arbeitsverträge ohne Sachgrund anschauen. Vom Gesetzgeber ursprünglich zur „Förderung der Beschäftigung“ in unsicheren Zeiten angedacht, sind Befristungen inzwischen für viele jüngere Menschen der Normalfall. Dabei erlebt die Republik seit Jahren einen Erwerbstätigenrekord nach dem anderen, der Wirtschaft geht es prächtig.  Ähnlich verhält es sich mit der boomenden Leiharbeit, die eigentlich mal dazu da war, Betrieben in Ausnahmesituationen unter die Arme zu greifen, nicht im Regelfall.

Es ist also große Vorsicht angebracht, wenn Arbeitgeberverbände und Wirtschaftsweise nun in trauter Eintracht das Ende vom 8-Stunden-Tag einfordern. Sie propagieren das „Team auf Abruf“, um so den Erfordernissen des internationalen Wettbewerbs und des digitalen Wandels Rechnung zu tragen. Zwar wird nicht Mehrarbeit gefordert, aber bei Bedarf das Stückeln von Arbeitseinheiten innerhalb eines vorgegebenen Rahmens von maximal 48 Stunden pro Woche. Wo das auf Dauer hinführt, kann sich jeder selbst ausmalen.

Dabei gibt es die notwendige Flexibilität ja längst. Oder wie haben es die vielen deutschen Weltmarktführer sonst zum Erfolg gebracht? Überstunden, individuelle Arbeitszeitmodelle oder Arbeitszeitkonten sind gängige Instrumente. Und viele Beschäftigte sind so engagiert, dass sie auch heute schon an den Gesetzen vorbeiarbeiten. Das kann bis zur Selbstausbeutung führen. Die Wirtschaft sollte lieber versuchen, diesem Trend entgegenzuwirken, als dass sie das Verbiegen bis zum Umfallen einfordert.

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