Dirk Koch: Kritischer Blick auf das Infogewerbe

Als "Der Spiegel" unter der Ägide Rudolf Augsteins noch das "Sturmgeschütz der Demokratie" war, gehörte Dirk Koch zu den journalistischen Kanonieren des Magazins, viele Jahre in Bonn, später in Brüssel.

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Wenn der ehemalige Korrespondent heute einen sehr kritischen Blick auf seine Nachfolger und die Medien überhaupt wirft, dann hat sein Buch auch ein bisschen etwas von "Opa erzählt vom Krieg", erschöpft sich aber nicht nur in dem Befund, dass früher alles viel besser war im politischen Nachrichtengeschäft.

Tatsächlich haben Koch und seine Mitstreiter einst viele Affären und Skandale (von Flick bis Kohl) aufgedeckt und sich als investigative Kontrolleure der Macht bewährt. Die Journalisten rückten den Großkopferten dicht auf die Pelle und waren oft unsichtbar anwesend an Kabinettstischen wie in Vorstandszimmern. Doch lässt sich die vom Autor bemängelte Qualität aktueller Recherchen und Beiträge wirklich nur darauf zurückführen, dass es sich die heutigen Betreiber des Infogewerbes zu bequem machen?

Dirk Koch glorifiziert die eigene Vergangenheit und macht sich die Kritik am realen Journalismus im digitalen Zeitalter zu leicht. Die fast unbegrenzten Mittel und Möglichkeiten, die prominente "Spiegel"-Leute in der Bonner Republik zweifellos hatten, sind längst verflossen. Es herrschen unterdessen andere Sitten und Gesetze auf dem Medienmarkt, gerade auch in Berlin.

Info Dirk Koch: Der ambulante Schlachthof oder Wie man Politiker wieder das Fürchten lehrt. Westend Verlag, Frankfurt 2016. 192 Seiten. 18 Euro.

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