Die neue Protestbewegung: Eher emotional als politisch

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Ilja Jaschin: Es müssen Leute vorangehen.  Foto: 

Ilja Jaschin (33) ist ein liberaler Oppositionspolitiker und einer der Anführer der Proteste von 2011 und 2012. Er spricht über die neue Protestbewegung und ihren Führer Alexej Nawalny.

Kann man nach den Kundgebungen vom 26. März schon von einer neuen Protestbewegung reden?

Ilja Jaschin: Auf jeden Fall gibt es einen neuen Trend. Es ist eine neue Generation herangewachsen, die nicht zufrieden ist mit dem, was passiert. Seit der letzten Großkundgebung im Mai 2012 auf dem Bolotnaja-Platz sind fast fünf Jahre vergangen. Jetzt gehen junge Leute auf die Straße, die damals 15 oder 12 Jahre alt gewesen sind. 

Auch vor fünf Jahren waren viele junge Leute auf der Straße.

Damals waren es eher die 25- bis 30-Jährigen. Heute sind es Teenager, für die der Fernseher grundsätzlich nicht existiert, die sich ihre Informationen aus dem Smartphone oder dem Notebook holen, statt Nachrichten Videos auf Youtube schauen. Sie kennen alle Videoblogger, die in lockerer, verständlicher Form über Politik reden. Und Nawalny schwimmt sehr gut auf dieser Welle mit, es ist ihm durch seine Videoblogs gelungen, mit ihnen in Dialog zu treten.

Eine Generation, die einfache Formen mag? 

Sie unterscheidet sich auch inhaltlich. Sie ist weniger zynisch als meine Generation, die sich zum Großteil hat kaufen lassen, durch Karrieren in den Jugendprojekten des Kreml. Die Leute, die jetzt auf die Straße gehen, protestieren nicht allein gegen Korruption sondern gegen Ungerechtigkeit. Massenproteste sind immer eher emotional als politisch. Die Menschen fühlen, dass ihr Lebensstandard sinkt und sinkt, während die Elite immer größere Reichtümer zusammen stiehlt.

Wie wichtig ist Nawalny für diese neue Bewegung?

Ich glaube nicht an spontane Proteste, es braucht immer Leute, die vorangehen, Verantwortung übernehmen. Deshalb hat die Staatsmacht in den letzten Jahren so heftig gegen die Oppositionsführer der Opposition gekämpft. Die Hälfte der Leute, die 2012 im Kooperationsrat der Opposition gesessen haben, sind im Ausland, im Gefängnis oder im Grab.

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