Die internationalen Reaktionen auf Donald Trump

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Einen Krimsekt auf Trump? In Russland ist man sich noch nicht sicher, was man von einem Präsidenten Trump zu halten hat.  Foto: 

Brüssel ist verunsichert

Das politische Brüssel schaudert ob der Verwüstungen, die der außenpolitisch unbedarfte Donald Trump anrichten könnte. Einen „Brexit plus plus“ hatte dieser angekündigt, und so fühlt sich sein Triumph für die meisten EU-Offiziellen auch an. „Ich bin entsetzt, dass die Vereinigten Staaten einen Präsidenten gewählt haben, der mit antimuslimischen und rassistischen Argumenten, mit Abschottungsgedanken und wirren Männerfreundschaftsfantasien zu Putin seinen Wahlkampf bestritten hat“, sagt der Abgeordnete Knut Fleckenstein (SPD).

Davon abgesehen sieht man in Brüssel vor allem drei Sorgen-Bereiche: Trump hat die Nato als „obsolet“ bezeichnet und die wechselseitige Beistandsgarantie davon abhängig gemacht, dass die europäischen Verbündeten sich stärker an den Kosten beteiligen. Auch die Zukunft des internationalen Handels steht mit Trump infrage. TTIP scheint erledigt und das bestehende amerikanisch-europäische Handels-Geflecht könnte zerfasern, wenn Trump ernst macht mit seiner Politik des „America first“. Und schließlich droht der Rückzug der USA aus dem Klimaschutz. Den werde man wohl gegen Washington verteidigen müssen, sagt Peter Liese, CDU-Umweltexperte im EU-­Parlament. Knut Pries

Moskau ist skeptisch

Russland weiß nicht recht, wie es mit dem Sieg des mutmaßlichen Putin-Fans Trump umgehen soll. Wladimir Putin selbst äußerte in einem Glückwunsch-Telegramm die Hoffnung, gemeinsam die russisch-amerikanischen Beziehungen aus der Krise führen und Antworten auf globale Herausforderungen suchen zu können. „Aber das wird kein leichter Weg angesichts des degradierten Zustandes des Verhältnisses zwischen Russland und den USA.“

Andere russische Politiker sind sich uneinig. Der Nationalpopulist Wladimir Schirinowski sprach von internationaler Entspannung und einer Anerkennung der Krim als Teil Russlands durch Trump. Kommunistenführer Gennadi Sjuganow dagegen warnte, auch Trump werde nichts an der expansiven Strategie der USA ändern. Stefan Scholl

Peking ist erfreut

Chinas Führung begrüßt den Wahlausgang. „China freut sich auf die Zusammenarbeit mit der künftigen US-Regierung und setzt auf neue bilaterale Beziehungen, von denen beide Länder und die ganze Welt profitieren werden“, heißt es in einer kurzen Erklärung des chinesischen Außenministeriums.

Und das, obwohl Trump gleich zu Beginn seiner Kandidatur verkündet hatte, gegen chinesische Billigimporte vorgehen zu wollen. Doch Pekings Abscheu gegen Hillary Clinton ist größer als die Angst vor Trumps Politik. Mehrfach hatte Clinton als Außenministerin gegenüber China harte Töne angeschlagen, sei es in Menschenrechtsfragen oder in Pekings Umgang mit Nordkorea.

Der Außenpolitik-­Experte Wang Yiwei ist sich sicher, dass Trump gut sein wird für das US-chinesische Verhältnis. „Trump steht außenpolitisch für Isolationismus. Er will nicht, dass die USA globale Verantwortung übernehmen“, sagt Wang. Das sei im Interesse Chinas. Felix Lee

Ankara ist hoffnungsfroh

Die Türkei hat Trumps Triumph zum Anlass genommen, erneut die Auslieferung des Predigers Fethullah Gülen zu fordern. „Ich appelliere von hier aus offen an den neuen Präsidenten, den auf dem Boden der Vereinigten Staaten von Amerika lebenden Fethullah Gülen umgehend an unser Land auszuliefern“, sagte Ministerpräsident Binali Yildirim.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sagte, er hoffe, dass der Wahlsieg Trumps zu positiven Entwicklungen in der Türkei und der Region beitrage. „Es beginnt eine neue Ära in den USA“, sagte Erdogan.  dpa

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