ifo-Institut: Deutsche wollen digitalisierte Schulen

90 Prozent der Deutschen wollen, dass Schulen Medien- und Digitalkompetenz vermitteln - jedoch eher in der Grundschule als schon im Kindergarten.

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Die Mehrheit der Deutschen wollen digitalisierte Schulen  Foto: 

Eine große Mehrheit der Deutschen steht der Digitalisierung der 40.000 Schulen im Land positiv gegenüber – und erwartet, dass sich in dieser Hinsicht auch etwas tut. Wie aus dem Bildungsbarometer des ifo-Instituts hervorgeht, sind 90 Prozent der Meinung, dass Bildungseinrichtungen Digital- und Medienkompetenzen vermitteln sollen.

Zwar sprach sich nur jeder Fünfte dafür aus, dass dies bereits in den Kindergärten geschieht. Digitale Inhalte in den Grundschulen werden aber schon von mehr als der Hälfte der Deutschen begrüßt. An weiterführenden, Berufs- und Hochschulen erwarten dies jeweils mehr als neun von zehn Befragten. Die Offenheit der Deutschen sei deutlich gestiegen, erklärte ifo-Experte Ludger Wößmann am Donnerstag bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Die Deutschen seien bei Fragen der Digitalisierung sehr zuversichtlich. So hält sich mehr als die Hälfte der Befragten für einen Gewinner der Digitalisierung. Nur 15 Prozent bezeichnen sich als Verlierer.

Schulen mit WLAN und Computer ausstatten

Um die Digitalisierung voranzubringen, sprechen sich 80 Prozent der Befragten dafür aus, Schulen mit Breitband, WLAN und Computern auszustatten. 67 Prozent befürworten, dass jeder Schüler einen Computer bekommt, wenn das der Bund finanziert.

Das darf dann auch etwas kosten: Eine Mehrheit von 80 Prozent will, dass die staatlichen Ausgaben für die Schulen steigen – so viele wie nie seit 2014, als die Studie zum ersten Mal durchgeführt wurde. Die Bereitschaft zu höheren Staatsausgaben ist im Bildungsbereich demnach höher als bei der öffentlichen Sicherheit, der sozialen Sicherung, der Kultur und der Verteidigung.

Im Vergleich der vergangenen vier Jahre zeigt sich allerdings auch, dass die Deutschen ihre Schulen immer schlechter bewerten. Die Bestnoten 1 oder 2 vergeben nur noch 22 Prozent – sechs Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Für 20 Prozent kommen die Schulen nur noch auf die Note 4 oder schlechter.

Eine bereits im vergangenen Herbst veröffentlichte Studie des Branchenverbandes Bitkom hatte ergeben, dass 40 Prozent der Eltern die digitale Ausstattung der Schulen als „schlecht“ oder „sehr schlecht“ bezeichnen. „Insgesamt stellt die Digitalisierung die Politik vor eine Vielzahl neuer bildungspolitischer Herausforderungen“, folgern die Studienautoren vom ifo-Institut.

Digitalpakt angekündigt

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka hatte im Oktober 2016 einen Digitalpakt angekündigt, der den Schulen mit fünf Milliarden Euro bei der Digitalisierung unter die Arme greifen soll. Die Umsetzung dieses Versprechens will die CDU-Politikerin allerdings erst nach der Wahl angehen, was für viel Kritik aus den Ländern sorgte – vor allem, weil es aus dem Bundesfinanzministerium noch kein grünes Licht für die Mittel gegeben hat.

Zwar äußerte sich Susanne Eisenmann (CDU), Baden-Württembergs Kultusministerin und die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Mitte August zuversichtlich, dass noch in diesem Jahr eine unterschriftsreife Bund-Länder-Vereinbarung erreicht werden kann.

In der vergangenen Woche kritisierte Malu Dreyer (SPD), die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, jedoch, dass bislang nichts geschehen ist. Gemeinsam mit vier weiteren SPD-regierten Bundesländern sowie dem linksregierten Thüringen stellte sie eine Bundesrats-Initiative vor, um mehr Bundesmittel für die Schulbildung zu bekommen und das Kooperationsverbot aufzuheben.

Das ifo-Institut ist eines der größten Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland. Seit 2014 veröffentlicht es jährlich das Bildungsbarometer. In diesem Jahr wurden dafür zwischen Ende April und Anfang Juni mehr als 4000 Menschen befragt. Die Stichprobe ist repräsentativ für die Gesamtbevölkerung.

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