Familie hat seit 14 Tagen keinen Kontakt zu Mesale Tolu

Die Bundesregierung fordert von der Türkei den sofortigen Zugang zur inhaftierten Ulmerin. Deren Familie ist verzweifelt: „Wir haben keinen Kontakt zu ihr.“ Um 18.30 Uhr ist eine Demonstration geplant.

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Die Bundesregierung hat die Türkei aufgefordert, ihr Zugang zu der inhaftierten deutschen Übersetzerin Mesale Tolu zu gewähren. „Für uns ist es wichtig, dass wir uns um sie als deutsche Staatsangehörige kümmern können“, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer, am Freitag in Berlin. Die Bundesregierung habe nicht von türkischer Seite von diesem Haftfall gehört, sondern aus anderen Quellen. Die türkischen Behörden hätten damit das Wiener Übereinkommen für konsularische Beziehungen verletzt. Auf die Frage, was das Auswärtige Amt über den Verbleib des zweijährigen Sohnes der Übersetzerin wisse, der während der Razzia wohl in der Wohnung zugegen gewesen sei, antwortete Schäfer, er sei sehr sicher, dass das Kind bei der Familie sei und gut betreut werde.

Die für eine linksgerichtete Nachrichtenagentur in der Türkei arbeitende deutsche Übersetzerin aus Ulm sitzt Medienberichten zufolge seit dem 6. Mai im Istanbuler Frauengefängnis. Die 33-Jährige wurde bereits am 30. April festgesetzt, wie die ARD am Donnerstag berichtete. Demnach drang eine Anti-Terror-Einheit gewaltsam in die Wohnung ein. Ein Richter erließ dem Bericht zufolge Haftbefehl wegen Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in einer Terrororganisation.

Tolu arbeitete für die Agentur Etha als Übersetzerin, wie die Firma mitteilte. Am Freitag um 18.30 Uhr findet eine Protestdemo in der Ulmer Hirschstraße beim Berblinger-Brunnen statt.

In Ulm geboren

Seit 14 Tagen hat Hüseyin Tolu keinen Kontakt mehr zu seiner Schwester.  „Die letzte Nachricht war ein Anruf der türkischen Polizei aufs Handy meines Vaters. Das war am 30. April um halb sieben Uhr morgens. Da hieß es: Wir haben ihre Tochter verhaftet. Ihr Enkel ist bei Nachbarn untergebracht worden, erzählt der 35-jährige Familienvater aus Neu-Ulm, der mit einer Deutschen verheiratet ist.

Hüseyin Tolu machte sich noch am selben Tag nach Istanbul auf. Schon wegen des kleinen Serkan, der Ende 2014 in der Donauklinik  zur welt kam und brutal von seiner Mutter getrennt worden war. Der Bub wird mittlerweile von seinem Großvater betreut, der ebenfalls nach Istanbul reiste und dort übergangsweise in der Wohnung  seiner Tochter lebt.

In diese Wohnung war am frühen Morgen des 30. April ein Sondereinsatzkommando der türkischen Polizei eingedrungen.  Offenbar mit brachialer Gewalt, wie Bilder zerstörter Tüten und durchwühlter Schränke zeigen, die der Solidaritätskreis „Freiheit für Mesale Tolu“ veröffentlicht hat. Vorwurf der türkischen Behörden: Die 33-Jährige habe als Journalistin und Übersetzerin „Terrorpropaganda“ betrieben.

Ihr Bruder Hüseyin nennt das „absurd“. Zwar sei seine 1984 in Ulm geborene Schwester seit jeher politisch links eingestellt und habe in Istanbul zuletzt für die  linke und sich der türkischen Zensur nicht beugende Nachrichtenagentur ETHA gearbeitet. Doch eine tragende Figur sei sie da mit Sicherheit nicht gewesen. „Sie hat Texte übersetzt.“

Es sei völlig unklar, was der jungen Frau vorgeworfen werde, sagt Baki Selcuk, Sprecher des Solidaritätskreises. Das Schlimmste: Seit der Festnahme und der Einweisung ins Istanbuler Frauengefängnis am 6. Mai habe Mesal Tolu keinen Besuch bekommen dürfen. Selbst der türkische Anwalt Tolus habe bislang keine Akteneinsicht erhalten.

Zahlreiche Journalisten sitzen in der Türkei in Haft, darunter der deutsch-türkische „Welt“ Korrespondent Deniz Yücel. Ihm werden Terrorpropaganda und Volksverhetzung vorgeworfen. Er war im Februar festgenommen worden.

EU-Minister Omer Celik hatte am Donnerstag gesagt, die Türkei sei ein sicheres Land für ausländische Journalisten, die nicht an terroristischen Aktivitäten beteiligt seien.

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