Deutlich mehr amerikanische Juden beantragen deutsche Staatsbürgerschaft

USA: Immer mehr Holocaust-Überlebende und deren Nachfahren beantragen die deutsche Staatsbürgerschaft. Offenbar wegen zunehmenden Antisemitismus’ unter Trump.

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Deutschstämmige US-Amerikaner, die oder deren Vorfahren unter den Nazis aus Deutschland ausgebürgert wurden, bemühen sich zunehmend um Wiedereinbürgerung in die Bundesrepublik. Entsprechende Informationen dieser Zeitung bestätigte das zuständige Bundesverwaltungsamt (BVA) in Köln.

Das BVA stelle fest, teilte eine Sprecherin mit, „dass von der Möglichkeit der Einbürgerung auf der Grundlage des Artikels 116 Abs. 2 Satz 1 des Grundgesetzes, seitens Antragstellern und Antragstellerinnen aus den Vereinigten Staaten von Amerika vermehrt Gebrauch gemacht wird“.

Dieser Artikel gibt deutschen Holocaust-Opfern und ihren Nachfahren einen Anspruch auf Wiedereinbürgerung. Im Grundgesetz steht: „Frühere deutsche Staatsangehörige, denen zwischen dem 30. Januar 1933 und dem 8. Mai 1945 die Staatsangehörigkeit aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen entzogen worden ist, und ihre Abkömmlinge sind auf Antrag wieder einzubürgern.“

Die Nazis hatten zehntausenden Deutschen die Staatsbürgerschaft entzogen; erst vor allem politischen Gegnern, später systematisch Juden, die sie ermordeten und deren Besitz sie raubten.

Zahl verdreifacht

Es sind also Holocaust-Überlebende und ihre Nachkommen, die meisten davon Juden, die sich vermehrt um die ihnen zustehenden deutschen Pässe bemühen. Laut BVA sind die Zahlen sprunghaft gestiegen: „Das regelmäßige Antragsaufkommen diesbezüglich aus den Vereinigten Staaten von Amerika ist mit 60 bis 80 Antragseingängen im Monat zu beziffern“, teilt die Behörde mit.

Seit Oktober 2016 steigen die Zahlen: In diesem Monat seien 92 Anträge eingegangen, im November 124 und im Dezember 144. Diese Tendenz setzte sich 2017 fort. Im Januar waren es 159, im Februar 125 und im März 235 Antragseingänge.

Das BVA erhebt weder Staatsangehörigkeit noch Religion der Antragsteller. Doch nach Informationen dieser Zeitung handelt es sich nahezu ausschließlich um US-Bürger jüdischen Glaubens. „Viele Juden in den USA sind in großer Sorge wegen Donald Trump“, sagte ein Insider, der nicht namentlich genannt werden möchte. Unter dem neuen Präsidenten sei im Land ein „Klima der Gewalt“ entstanden.

Trump wurde im November gewählt und im Januar ins Amt eingeführt. Seitdem kommt es in den USA vermehrt zu ausländerfeindlichen und antisemitischen Gewalttaten. Nachdem jüdische Friedhöfe geschändet wurden und in jüdischen Institutionen Bombendrohungen eingingen, warnte Ronald S. Lauder, Präsident des jüdischen Weltkongresses, Ende Februar vor zunehmendem Judenhass: „Amerikanische Juden sind besorgt.“ Trump rief daraufhin zum Einsatz gegen Antisemitismus auf. Er bekräftigte dies gestern.

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