Des Bosses neue Kleider

Kolumbiens Drogenkönig Pablo Escobar ist seit fast 20 Jahren tot. Jetzt setzt ihm sein Sohn ein zweifelhaftes Denkmal - stilecht aus Stoff.

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Er hinterließ einen Privatzoo im Dschungel und mehrere Milliarden Dollar, als er vor 19 Jahren nach einer Hetzjagd über die Dächer der Stadt Medellin im Kugelhagel starb: Kolumbiens Drogenkönig Pablo Escobar. Zeitweise hatte er drei Viertel des weltweiten Kokainhandels kontrolliert.

Escobar ist tot, aber längst nicht vergessen. Er feiert ein Comeback in Kitsch-Seifenopern wie "Escobar, der Herr des Bösen", als Klebebildchen im Album zur Serie - und nun auch als Aushängeschild eines neuen Modelabels, das ausgerechnet sein Sohn Juan Pablo ins Leben gerufen hat.

Der lebte unter einem Pseudonym mit Schwester und Mutter in Argentinien, ist die Schatten der Vergangenheit aber nie losgeworden. Journalisten belagerten die Familie, die Kinder wurden von der Schule geworfen, das Vermögen war jahrelang eingefroren. Juan Pablo outete sich 2009 mit einer Rolle in dem Dokumentarfilm "Die Sünden meines Vaters". Er bat um Entschuldigung, versöhnte sich mit Opfern seines Vaters und setzte sich für ein Ende des Blutvergießens in Kolumbien ein.

Umso größer ist das Erstaunen über seine Modekollektion, die ganz dem Drogenboss gewidmet ist: sportliche Jeans mit geheimen Innentaschen und T-Shirts, auf den der stilisierte Personalausweis des Drogenkönigs abgedruckt ist oder der Parkschein des Parlaments, ausgestellt auf den "ehrenwerten Herrn Pablo Escobar". Auf einem Werbevideo wird die Stimme des Vaters mit flotter Musik gemixt.

Verkauft werden des Bosses neue Kleider in Hochburgen der Mafia wie Italien, Guatemala und Mexiko, aber auch per Internet. Nur nicht in Kolumbien. Da nämlich stößt das Vorhaben auf wenig Verständnis. Während Escobar Mode verkaufe, warteten die Opfer des Drogenbosses noch immer auf Entschädigung, wird etwa kritisiert.

Er wolle die Jugend mahnen, den Irrweg seines Vaters nicht zu wiederholen, sagt der Designer. Seine Kreationen sind mit Sprüchen bedruckt wie: "Wähle dein Schicksal, um nicht am falschen Ort zu enden." Teile des Erlöses fließen in Stipendien und Rollstühle für Arme - ganz nach dem Vorbild des Vaters, der sich einst mit sozialen Werken deren Gefolgschaft erkauft hatte.

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