Leitartikel zur Klimakonferenz: Der Welt-Wanderzirkus

Alljährlich eilen sie zur Klimakonferenz, die Umweltminister aus 195 Staaten. Und sie beschließen was? Einen Hauch mehr Schutz vor Dürren und Fluten. Ein Leitartikel von Martin Hofmann.

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Große Ziele, kleine Schritte – die Klimapolitik auf unserem Planeten tritt weitgehend auf der Stelle. Zum Glück bietet der Ausstoß an Treibhausgasen kein anderes Bild. Er stagniert. Erfolg der Klimakonferenzen? Aber ja. Dennoch ist es zum Ritual geworden, dass – wie von heute an in Bonn –  alljährlich Umweltminister oder Regierungschefs auf dem Mammuttreffen auftreten. Sie beklagen wahlweise den geringen Fortschritt der weltweiten Bemühungen oder preisen ihre Zusagen zum Abbau schädlicher Emissionen. Und dann zieht dieser Klimazirkus weiter. Nächste Station: Warschau, November 2018.

Weltinnenpolitik, wenn überhaupt, bewegt sich im Schneckentempo. Die ständige Gefahr: Kriecht das scheue Tierchen voran, wächst sein Risiko totgetrampelt zu werden. Dabei herrscht an Erkenntnissen kein Mangel. Längst wissen wir, dass zwei Planeten nicht ausreichten, wenn alle Menschen so lebten wie in wohlhabenden Ländern. Klar ist, dass das Industriezeitalter zu Ende geht, das auf dem Verbrennen fossiler Energieträger beruht. Forscher belegen, dass wir mit hormonähnlich wirkenden Chemikalien die geistige Entwicklung nachfolgender Generationen schädigen. Wachsenden Ackerflächen immer mehr Erzeugnisse abzuringen, erkaufen wir mit zunehmend irreparablen Schäden für die Umwelt durch höheren Dünger- und Pestizideinsatz. Wir nehmen hin, dass die  Bestäuber verschwinden, die einen Teil unserer Nahrung sichern. Wir zerstören die feine Balance  zwischen Nützlingen und Schädlingen zugunsten letzterer.

Gründe genug, umzuschwenken statt jede Veränderung mit Bedenken zu belegen. Natürlich gibt es Risiken. Um jedoch künftigen Generationen einen halbwegs intakten Globus zu hinterlassen, ist eine weltweite Energie-, Verkehrs- und Agrarwende notwendig. Sie bietet weitaus mehr Vor- als Nachteile, fordert die Kreativität der Menschheit heraus, technisch und ökonomisch sinnvolle Lösungen zu entwickeln, und fördert die Zusammenarbeit unter Innovatoren, die es in jedem Staat gibt. Viele gut ausgebildete Leute in den Entwicklungsländern warten nur auf ein bisschen Hilfe, um in eine Zukunft ohne Lärm, Abgase, Staus, und weitere Ressourcenausbeutung zu starten. Sie werden den künftigen Mittelstand in Gesellschaften bilden, deren Chance dadurch enorm wächst, demokratische, rechtstaatliche und korruptionsärmere Strukturen zu schaffen.

Die wohlhabenden Länder stehen in der Verantwortung zu zeigen, dass dieser Umbau gelingt. Die Politik muss sich dazu aber endlich von den Beharrungskräften lösen, die nur aus kurzfristigen Vorteilen am Bestehenden festhalten. Konzepte gibt es genug, die in ein Zeitalter münden, das unsere großartige Vielfalt an Landschaften, Natur- und Kulturräumen nicht länger zerstört. Viele Menschen arbeiten weltweit daran und warten darauf, dass Staatenlenker nicht nur den Abschied aus der Kohlestoffära zum Ziel erklären, sondern zum Wohl aller Erdbewohner diese Vorgaben umsetzen. Sonst bleiben Weltklimatagungen, was sie sind: Großereignisse ohne große Wirkung.

leitartikel@swp.de

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