Der rote Peter löst die schwarze Petra ab

Sozialdemokrat Peter Feldmann hat überraschend den Chefsessel im Frankfurter Rathaus erobert. Regieren muss er mit schwarz-grüner Mehrheit.

|
Peter Feldmann beendet eine bittere Niederlagenserie der SPD in Frankfurt.

Die Genossen feierten ausgelassen vor dem Dom, in dem einst die deutschen Kaiser gekrönt wurden. Sie ließen Peter Feldmann hochleben, mit Sprechchören, Konfettikanonen und viel Beifall. Der "Nobody", so nannten ihn Medien noch am Tag der Stichwahl, hatte das scheinbar Unmögliche geschafft. Mit 57,4 Prozent der Stimmen konnte Feldmann den Favoriten, den CDU-Kreisvorsitzenden und hessischen Innenminister Boris Rhein, schlagen.

"Das hätte ich selbst nie für möglich gehalten", bekannte bei der improvisierten Jubelfeier der künftige Oberbürgermeister. "Das ist geil" rief SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel, der sonst nicht zu emotionalen Ausbrüchen neigt. Mit Feldmanns Sieg endet für die SPD in ihrer einstigen Hochburg eine lange Reihe von bitteren Niederlagen. Den letzten Wahlerfolg feierte sie hier vor mehr als 20 Jahren.

Erstmals seit der Vertreibung von Ludwig Landmann durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933 regiert im Frankfurter Römer künftig mit Feldmann wieder ein Oberbürgermeister mit jüdischem Hintergrund. Feldmann hatte im Jahr 2007 den Arbeitskreis jüdischer Sozialdemokraten gegründet und ist deren Sprecher. Der 53-jährige Sozialpolitiker und Vize-Fraktionschef im Römer wird dem linken Flügel zugerechnet. Er konnte mit seinen Themen punkten: Kampf gegen die Kinderarmut, für bezahlbaren Wohnraum und mehr Betreuungsplätze.

Schon sein zweiter Platz im ersten Wahlgang war ein Erfolg, den ihm viele nicht zugetraut hatten. Da lag Feldmann noch hinter dem Favoriten. Doch sein unermüdlicher Straßenwahlkampf, seine tausende Hausbesuche zahlten sich aus. Bei der Stichwahl deklassierte er den CDU-Innenminister, mit 24 000 Stimmen Vorsprung.

Der erfolgsgewohnten hessischen CDU nutzte offenbar auch das schwarz-grüne Bündnis nur bedingt, mit dem Feldmanns Vorgängerin Petra Roth in Frankfurt regierte. Vier zentrale Dezernate der Stadtregierung werden von Grünen geleitet. Der künftige OB wird nun erst einmal auf Schwarz-Grün zugehen müssen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Mordprozess: Lebenslang für den Beifahrer, neun Jahre für den Fahrer

Im Hechinger Mordprozess wurden am Mittwochvormittag die Urteile gesprochen. Der Beifahrer im Tatfahrzeug bekommt lebenslang, der Fahrer neun Jahre Jugendstrafe. weiter lesen