Depression: Nach Amoklauf Warnung vor Ausgrenzung

Der Psychiater Ulrich Hegerl warnt vor einer Stigmatisierung psychisch Kranker. Sie könne dazu führen, dass sich die Betroffenen nicht rechtzeitig Hilfe holten.

|

Die Deutsche Stiftung Depressionshilfe warnt vor einer Ausgrenzung psychisch kranker Menschen. „Mit großer Sicherheit kommt eine Depression des Täters als Ursache für den Amoklauf in München nicht in Frage“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Ulrich Hegerl.

Etwa vier Millionen Menschen litten in Deutschland aktuell unter behandlungsbedürftigen Depressionen, so der Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig. Es gebe keine Hinweise, dass die Betroffenen öfter Gewalttaten als andere begingen. Eher sei sogar das Gegenteil der Fall.  Hegerl warnte vor einer Stigmatisierung Depressiver. Das erhöhe die Hürde, sich professionelle Hilfe zu holen. „Nicht optimal behandelte Depressionen verursachen großes unnötiges Leid und sind die Hauptursache für die jährlich etwa 10 000 Selbsttötungen in Deutschland.“

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

25.07.2016 12:12 Uhr

Anschläge auf gesicherte Befunde

Nicht allein Depressive erfahren in der Öffentlichkeit gegenwärtig eine bislang nicht gekannte Stigmatisierung. So sprach etwa der Londoner Korrespondent des Deutschlandfunks unmittelbar nach der Ermordung der britischen Unterhausabgeordneten Cox davon, dass der Täter angeblich in einer Psychose gefangen war, als er tötete. Fernab jeglicher gesicherten Erkenntnis finden auf diese Weise Behauptungen eine massenhafte Verbreitung, die von dem völlig willkürlich hergestellten Zusammenhang ausgehen, dass unbegreifliche Verbrechen immer mit vermeintlichen Verletzungen der Seele einhergehen; obwohl das Geschehen in beiden Dimensionen sich nachweislich voneinander getrennt ereignet. Nähmen Dritte solch vorsätzlich verübte Anschläge auf längst nicht mehr widerlegbare Befunde ernst, müssten insbesondere die Kunstwerke, die vor allem Schizophrene hervorbringen, schleunigst im Hausmüll entsorgt werden.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Amoklauf in München

Die Bluttat eines jungen Amokläufers in München schockt Deutschland. Neun Menschen wurden getötet, mehrere verletzt.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

FDP-Kandidat Alexander Kulitz löst Ticket in den Bundestag

Über die Landesliste für die FDP in den Bundestag: Alexander Kulitz ist neben Ronja Kemmer (CDU) und Hilde Mattheis (SPD) der lachende Dritte aus Ulm. weiter lesen