DAS POLITISCHE BUCH: Selbstkritischer Rückblick

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Biographien über Willy Brandt, dessen Geburtstag sich am 18. Dezember zum 100. Mal jährt, gibt es in einer fast unübersehbaren Zahl. Auch wenn die Autoren dem früheren SPD-Vorsitzenden und Altkanzler unterschiedlich nahe gestanden haben und ihn deshalb aus je eigener Perspektive beschreiben, wiederholen sich darin die wichtigsten Daten und Ereignisse aus dem Leben des Wahl-Berliners aus Lübeck auf eine fast schon monotone Weise.

Da ist es gut, dass Hans-Joachim Noack, viele Jahre politischer Reporter, erst bei der "Frankfurter Rundschau", dann beim "Spiegel", seiner sehr persönlichen Sicht auf die Bonner Jahre Brandts von 1970 bis zu dessen Tod 1992 breiten Raum widmet. Über das Exil des Sozialdemokraten in Norwegen und Schweden sowie die Zeit als Regierender Bürgermeister Berlins informiert der Autor allerdings ebenso gründlich.

Erhellend erscheint vor allem Noacks ehrliche Selbstkritik. Die frühen Kanzlerjahre Brandts, so erfährt man, standen im Zeichen einer fast euphorischen journalistischen Begleitung. Der erste SPD-Regierungschef seit 1949 erfreute sich einer großen Anhängerschaft unter den Medienvertretern, die den innen- und außenpolitischen Aufbruch des Genossen sehr wohlwollend kommentierten. Umso herber war deren Enttäuschung beim schmachvollen Sturz ihres Helden über den DDR-Spion Günter Guilleaume und den Wechsel zum Machttechnokraten Helmut Schmidt, der ihnen keinerlei Projektionsfläche für eigene Hoffnungen und politische Visionen mehr bot.

Info Hans-Joachim Noack: Willy Brandt. Ein Leben, ein Jahrhundert. Rowohlt Verlag, Berlin 2013. 352 Seiten. 19,95 Euro.

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