Das Klima in Europa wird sich stark verändern

Welchen Anteil hat der Mensch an der Schmelze? Und wer profitiert davon? Hans Schipper, Leiter des Süddeutschen Klimabüros, erklärt die Hintergründe.

|

Nicht nur die wärmere Luft bringt das Eis zum Schmelzen. Welche Faktoren sind vom Menschen gemacht und wären zu verhindern?

HANS SCHIPPER: Das Wachsen und Schmelzen des Eises um den Nordpol hängt vor allem von der Höhe der Temperatur ab. Durch den Ausstoß von Treibhausgasen sorgt der Mensch dafür, dass es einen globalen Aufwärtstrend der Temperatur gibt. Folglich schmilzt mehr Eis.

Welche Folgen hat denn das Schmelzen des Eises?

SCHIPPER: Da die Eisoberfläche weiß ist, reflektiert sie viel Sonnenstrahlung, erwärmt sich dadurch weniger und hält sich somit selber kalt. Durch das Schmelzen des Eises entstehen immer mehr eisfreie Wasserflächen, welche dunkler sind als das Eis. Sie absorbieren viel mehr Sonnenstrahlung und wärmen das Nordpolargebiet stärker auf. Das wiederum beschleunigt den Schmelzprozess. Dies wäre zu verhindern gewesen, wenn weniger Treibhausgase ausgestoßen worden wären. Setzt sich der Prozess fort, könnte er unumkehrbar werden.

Was wäre, wenn das Eis wirklich komplett wegschmilzt? Welche Folgen hätte das für das Klima?

SCHIPPER: Wenn das Eis komplett geschmolzen ist, wird sich das Wasser im Nordpolarmeer erheblich erwärmen. Meeresströmungen wie der Nordatlantikstrom sind auch vom Temperaturunterschied zwischen dem Äquator und dem Nordpol abhängig. Die Ströme sind für unser gemäßigtes Klima verantwortlich und eine Änderung hätte letztlich erhebliche Auswirkungen für das Klima in Europa. Zum Beispiel könnte eine Änderung der Intensität oder eine Verlagerung von Wetterlagen auftreten. Allerdings lässt sich darüber noch keine genauere Aussage machen.

Für wen könnte es Vorteile bringen, wenn man durch das Schmelzen des Eises besser an die Rohstoffe vor Ort kommt?

SCHIPPER: Vor allem Unternehmen, die dort jetzt schon versuchen an Rohstoffe heranzukommen, werden ohne Eis wirtschaftlicher arbeiten können. Durch die Nutzbarkeit der Nordwest- und Nordostpassage bestünden auch kürzere Transportwege, was die Kosten für die Unternehmen senken würde. Ob da nun einzelne Staaten oder ein Unternehmen mehr profitiert, lässt sich kaum sagen. Höchstwahrscheinlich werden beide versuchen, sich größtmögliche Vorteile zu verschaffen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Zwölf Namen für die neuen Ulmer Straßenbahnwagen

Die neuen Straßenbahnwagen der Linie 2 werden nach Männern und Frauen benannt, die mit Ulm in Verbindung stehen. So war es auch schon beim Combino. weiter lesen