Das große Versprechen

Fleischsiegel, diverse Bio-Etiketen oder Fairtrade: Spätestens vor dem Supermarktregal verliert der Verbraucher angesichts der zahlreichen Logos, die auf den Produkten prangen, die Übersicht.

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Beim Einkauf hat es der Verbraucher nicht leicht. Die Lebensmittelindustrie gibt viel Geld dafür aus, mit Werbung Kunden zu ködern. Zunehmend verkaufsfördernd eingesetzt werden Gütesiegel. Gerd Billen vom Bundesverband der Verbraucherzentralen sagt, dass 80 Prozent der Verbraucher "vertrauend" sind - und deshalb seien für diese Siegel ein wichtiges Kaufargument. Hier die wichtigsten Logos und Symbole im Überblick.

Fleischsiegel: Erst vor kurzem wurde es der Öffentlichkeit vorgestellt. Verliehen wird es vom Deutschen Tierschutzbund, zweistufig mit unterschiedlichen Voraussetzungen: Einen Stern erhält das Produkt, wenn ein konventionell gehaltenes Huhn oder Schwein bessere Bedingungen, etwa mehr Platz, vorfindet, als der gesetzliche Mindeststandard vorgibt. Bei Schweinen müssen etwa die Bereiche für Liegen, Fressen und Koten sichtbar getrennt sein. Zwei Sterne zieren die Verpackung, wenn die Tiere Außenauslauf, Schweine Stroheinstreu haben. Das Siegel prangt im Moment nur auf Wiesenhof-Produkten. Unabhängige Kontrolleure sollen die Bedingungen überprüfen. Tierschützer außerhalb des Tierschutzbundes haben einen teilnehmenden Hof überprüft, die Schweine dort wurden teilweise nicht nach den geforderten Regeln gehalten, berichtete das ARD-Magazin Report Mainz.

Bio-Siegel/EU-Siegel: Seit 2001 zeichnet das Bundesverbraucherschutzministerium ökologisch produzierte Produkte mit diesem Label aus, bisher haben 65 000 das Siegel erhalten. 87 Prozent der Verbraucher ist es ein Begriff. Das Bio-Siegel darf genutzt werden, wenn die Anforderungen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau eingehalten werden. Dazu gehört etwa, dass landwirtschaftliche Erzeugnisse zu mindestens 95 Prozent aus ökologischem Landbau stammen. Garantiert wird auch die Freiheit von Gentechnik. Seit 2010 gibt es zudem das EU-Siegel, mit ähnlichen Bedingungen. Verbraucherschützer sind mit ihm unzufrieden: Es sei weniger streng als das deutsche. Laut Foodwatch sind die Standards sogar abgesenkt worden. So musste beim deutschen Bio-Siegel noch auf chemisch-synthetische Spritzmittel verzichtet werden, was das EU-Siegel in Ausnahmefällen erlaubt.

Biotrend: Dahinter versteckt sich Lidl. Das Unternehmen fordert, wie das Bio-Siegel auch, dass die Mindestanforderungen an kontrolliert biologische Landwirtschaft in der EU erfüllt sind. Öko-Kontrollstellen prüfen laut Lidl jährlich teilnehmende Bio-Bauernhöfe. Ähnlich halten es andere Supermarktketten wie Rewe, Edeka, Penny oder Netto mit ihren Bio-Siegeln.

Demeter, Bioland, Naturland: Demeter blickt auf eine lange Tradition zurück, das Label wird bereits seit 1928 verliehen. Es zeichnet sich durch strenge Richtlinien bei der Vergabe aus, etwa bei der Tierhaltung oder -fütterung. Es prangt auf 3500 Lebensmitteln, auf Kosmetika oder Mode. Bioland ist der größte deutsche Anbauverband, stellt deutlich strengere Anforderungen als die EG-Öko-Verordnung. So müssen Bauern ihre Bewirtschaftung komplett auf die biologisch-dynamische Arbeitsweise umstellen. Ähnlich verfährt Naturland, der weltgrößte Anbauverband für die Zertifizierung von Bioprodukten.

Fairtrade, Gepa: Der Verein Transfair mit Sitz in Köln vergibt das Fairtrade-Siegel an Importeure oder Händler, die den Erzeugern menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen garantieren. Rund 2000 Produkte tragen das Fairtrade-Symbol, typisch sind Kaffee, Bananen, Honig oder Schokolade. Das Gepa-Symbol weist ähnliche Voraussetzungen auf. Es soll sozial und umweltverträglich produziert, die Arbeit in den Dritte-Welt-Ländern fair vergütet werden.

One World: Es klingt nach einer Charity-Aktion, in Wahrheit steckt Aldi Süd dahinter. Mit seiner Eigenmarke rühmt sich der Konzern, Kaffee-Produkte zu verkaufen, die internationalen Fair-Trade-Standards genügen. Ob sich Produzenten und Händler an die Standards halten, werde regelmäßig kontrolliert.

MSC: Bereits seit 1997 gibt es das MSC-Siegel. Die Umweltorganisation WWF und der Lebensmittelkonzern Unilever gründeten die Marineship Stewardship-Council, um eine Lösung für die Überfischung zu finden. Um das Siegel zu bekommen, müssen Fischereien umweltverträglich und nachhaltig auf Fischfang gehen. Betriebe mit Zertifikat werden stichprobenartig kontrolliert. Greenpeace prangert die Zertifizierung nicht nachhaltig arbeitender Fischereien an.

QS-Prüfzeichen: Die Firma Qualität und Sicherheit GmbH gehört den Verbänden der Agrarwirtschaft und verspricht Qualitätssicherung vom Landwirt bis zum Ladentisch. Rund 106 000 Hersteller sind an der QS-Systemkette Fleisch- und Wurstwaren beteiligt und werden regelmäßig kontrolliert. Verbraucherschützer kritisieren die Verknüpfung der Produzenten, Verkäufer und Siegelvergeber. Das Zeichen dokumentiere nur die Einhaltung bestehender Gesetze, Foodwatch nennt es den Versuch, Massenware durch ein Qualitätssiegel zu adeln.

Ohne Gentechnik: 2009 wurde das Siegel eingeführt, es gilt als Kind von Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Es zeichnet Lebensmittel aus, die gentechnikfrei hergestellt wurden. Kritiker bemängeln, dass Futtermittelzusätze und gentechnisch veränderte Arzneien erlaubt sind.

DLG-prämiert: Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft ist eine Organisation der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft. Sie prüft jährlich rund 30 000 Lebensmittel auf ihre Qualität und vergibt dafür Medaillen, nach den Kriterien des Geruchs, Geschmacks, Aussehens oder der Konsistenz. Während die DLG Produkte mit einem "überdurchschnittlich gut" auszeichnet, kommt die gleiche Ware bei Stiftung Warentest schlechter weg. Das Siegel werde inflationär vergeben, kritisieren Verbraucherschützer.

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