Das französische Bugarach erwartet pilgernde Endzeit-Jünger

Die ganze Welt soll am 21. Dezember untergehen. Die ganze Welt? Nein. Ein kleines Dorf in Frankreich soll Schutz bieten: Hier parkt angeblich in einem Berg ein Ufo, das einige Auserwählte rettet wird.

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"Das Ende der Welt ist hier" verkündet ein knallrotes Plakat am Ortseingang von Bugarach, mit dem Biobauer "Janou" hungrige Touristen in seine Imbissbude zu locken versucht. Werbung, gespickt mit einer gehörigen Portion Galgenhumor. Denn das französische "La fin du monde" kann sowohl als "Weltuntergang" oder als "Am Arsch der Welt" verstanden werden.

Wobei nicht nur stimmt, dass das malerische Pyrenäendorf Bugarach tatsächlich in einem der hintersten Winkel Frankreichs liegt. Es stimmt auch, dass der Name Bugarach für Esoteriker, Ufo-Gläubige und Weltuntergangsfantasten einen magischen Klang hat.

Glaubt man einigen selbsternannten Propheten, die sich auf eine umstrittene Auslegung des Maya-Kalenders berufen, geht am 21.12.2012 die Welt unter. Folgerichtig bleiben uns nur noch wenige Tage, um mit dem Leben abzuschließen. Oder um nach Bugarach zu pilgern. In der Hoffnung wohlgemerkt, zu jenen wenigen Vertretern der menschlichen Rasse zu gehören, die angeblich eine klitzekleine Chance haben, die Apokalypse zu überleben: Einem hartnäckigen Gerücht zufolge haben barmherzige Außerirdische im Pic de Bugarach, dem höchsten Berg des Corbières-Massivs, ein Raumschiff geparkt, um eine Handvoll auserwählter Erdenbewohner vor dem finalen Knall in Sicherheit zu bringen.

Aus wissenschaftlicher Sicht sind die Maya-Weltuntergangs-Prophezeiungen allerdings Unfug: "Der Maya-Kalender endet nicht, sondern springt lediglich in eine neue Epoche um - vergleichbar mit dem Sprung 1999 auf 2000", sagt der Endzeit-Forscher Thomas Grüter. "Wir wissen auch nicht genau, ob der Beginn der neuen Maya-Epoche wirklich genau auf den 21.12.2012 fällt, die Berechnungen sind nicht ganz sicher. Selbst heutige Maya-Indianer haben klargestellt, dass die Prophezeiungen aus ihrer Sicht völliger Blödsinn sind, sagt der Münsteraner Mediziner und Sachbuchautor. Auch der US-Archäologe William Saturno von der Universität Boston hält nichts vom Untergang Ende nächster Woche: "Die alten Maya sagten voraus, dass die Welt fortbestehen und in 7000 Jahren alles noch genauso sein wird wie damals". Spuren der Mayakultur lassen sich bis 3000 Jahre vor Christus verfolgen, das Volk lebte hauptsächlich in Teilen des heutigen Mexiko.

Noch nicht ganz so lange ist der genau 1230 Meter hohe Pic de Bugarach im Gespräch. Ein trutziger Kalksteinfelsen, dessen Gipfel derzeit von Schnee bedeckt ist und um den sich zahlreiche Legenden ranken. In früheren Jahrhunderten hieß es, er diene als Versteck des Heiligen Grals oder des Schatzes der Tempelritter. Ende der 1960er Jahre kam schließlich der Glaube auf, dass der Pic de Bugarach auch von Außerirdischen geschätzt werde. Damals beschrieb ein mittlerweile verstorbener Bugaracher Bürger in einem Leserbrief an ein Ufo-Magazin seine Begegnungen mit den Aliens und das Brummen ihres Raumschiffs, welches in gewissen Nächten aus dem Inneren des gleich hinter dem Dorf aufragenden Felsen dringe. Vor allem amerikanische Internetseiten preisen den Berg als eine Stätte des Heils, die als einzige die Rettung vor dem nahenden Weltuntergang verheißt.

Der droht allerdings nicht nur wegen des Maya-Kalenders, bei den Prophezeiungen für dieses Jahr wird kaum eine Apokalypse ausgelassen: So sollen schon die alten Ägypter für 2012 eine Umkehr der magnetischen Erdpole vorhergesagt haben. Und der Seher Nostradamus verortete den dritten und letzten Weltkrieg in unsere Tage.

Auch die Astronomie wird als Zeugin für den nahenden Weltuntergang bemüht, weil dabei ungewöhnliche Planetenkonstellationen eine Rolle spielen sollen. Allerdings wissen Astronomen nichts von einer außergewöhnlichen Anordnung der Planeten in diesem Jahr.

Und was ist mit einem Asteroiden-Einschlag am 21. Dezember? Aktuell verzeichnet die US-Raumfahrtbehörde Nasa nur einen herannahenden Asteroiden für den 21. Dezember: Asteroid 2202 AU4 wird die Erde passieren - in fast 40-facher Mondentfernung - gut 15 Millionen Kilometer weit weg.

Aber da ist noch der ominöse Planet Nibiru, dessen angebliche Wiederkunft ebenfalls mit dem 21. Dezember in Verbindung gebracht wird. Dass er ein unsicherer Kandidat ist, hat Nibiru schon bewiesen. Bereits für Mai 2003 war seine Kollision mit der Erde vorhergesagt worden. Als damals nichts passierte, wurde der Zusammenstoß verschoben - auf das angebliche Ende des Maya-Kalenders.

Im 168-Seelen-Dorf Bugarach ist man froh, wenn am 22. Dezember alles vorbei ist. Alle Wege zum Pic de Bugarach werden ab dem 19. und bis zum 22. Dezember von Gendarmen abgesperrt. "Eine reine Vorsichtsmaßnahme", sagt Eric Freysselinard, Präfekt des französischen Pyrenäendepartements Aude. So soll auch verhindert werden, dass schlecht ausgerüstete Neugierige am 21. Dezember auf den vereisten Pic de Bugarach erfrieren oder sich ein Bein brechen.

Ein Weltuntergang muss also noch lange kein Beinbruch sein. Die Frage ist, wann es wirklich ernst wird. Aufgrund der zunehmenden Leuchtkraft der Sonne wird die Erde in etwa 500 Millionen Jahren "voraussichtlich zu heiß für höheres Leben sein, und in etwa 1,5 Milliarden Jahren verkochen die Ozeane", gibt Thomas Grüter neuere Berechnungen von Astrophysikern wieder. "Weil die Menschen dann längst ausgestorben sein werden, müssen wir uns darum keine besonderen Sorgen machen."

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