Clupea harengus - ein Genuss?

Fische müssen nach einem neuen EU-Gesetz seit Jahresbeginn mit lateinischen Namen gekennzeichnet werden. Warum aber nur?

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Lateinprofessoren sind künftig beim Fischkauf klar im Vorteil. Denn einer neuen EU-Verordnung folgend, müssen frischer Fisch, Räucherfisch und unverarbeiteter Tiefkühlfisch seit Januar neben der deutschen Bezeichnung mit den lateinischen Namen gekennzeichnet werden.

Dass es sich bei Hippoglossus hippoglossus um Heilbutt, bei Scomber scombrus um Makrele oder bei Oncorhynchus mykiss um Forelle handelt, dürfte den Herren Lateinprofessoren längst klar sein. Nun sollen auch die Verbraucher von dieser neuen Kennzeichnung profitieren. Sie soll für mehr Klarheit und Transparenz sorgen, hofft die EU. Und die Verbraucher vor Missbrauch schützen.

Nur wie denn? Kaum vorstellbar, künftig mit dem Lateinwörterbuch über den Fischmarkt zu wandern und erst mal zu blättern, bis man die Übersetzung findet.

Auch der deutsche Europaabgeordnete Werner Kuhn (CDU), Mitglied im Fischerei-Ausschuss, hat am Sinn dieser Neuerung so seine Zweifel. Er traut den Verbrauchern durchaus zu, dass sie den richtigen Fisch auch ohne lateinische Übersetzung finden. "Das ist an den Haaren herbeigezogen. Die lateinischen Bezeichnungen sagen doch dem Kunden gar nichts", sagt Kuhn. Auch Sandra Kess vom Fisch-Informationszentrum in Hamburg wundert sich über den Einfall der EU. "Kennzeichnung ist natürlich ein wichtiges Thema. Aber die genaue Herkunftsbezeichnung der Fische würde sicher mehr nutzen, als die lateinische Übersetzung." Was diese Neuerung bringt, müsse die Praxis zeigen. Kess ist zumindest überzeugt: "Das wird sicher Spaß machen, wenn alle vor den Regalen stehen und versuchen, die lateinischen Namen der Fische richtig auszusprechen." Die EU-Verordnung scheint zwar gut gemeint, aber nicht gut gemacht.

Übrigens: Die drei Lieblingsfische der Deutschen sind der Theragra chalcogramma, der Clupea harengus und der Salmo salar. Alles klar oder? Für alle des Lateinischen Unkundigen: der Alaska-Seelachs, der Hering und der Lachs.

Info Wer tiefer einsteigen will: Alle gültigen Handelsbezeichnungen stehen unter www.fischinfo.de

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