Clintons stiller Abschied von der Bühne

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    Trat nach Stunden vor die Kameras: Hillary Clinton. Foto: afp Foto: 
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Eine bleierne Stimmung legt sich über den Saal, während sich der riesige Wahl-Bildschirm nach und nach rot färbt. Rot, das ist die Farbe der Republikaner. Das vorherrschende Gefühl der Anhänger der unterlegenen Hillary Clinton ist mehr Schock als Wut. „Wir wussten, dass es eng werden würde, aber nicht so eng“, sagt die 22-jährige Evynn Stengel. „Ich habe den Eindruck, dass wir in New York in einer Blase leben, Trump zu wählen ist für mich irrwitzig.“ So weit entfernt sind die Demokraten im liberalen New York von jenem Amerika, das sich bei der Wahl gegen das Establishment in Washington gewandt hat, gegen die Obamas und Clintons.

Hillary Clinton selbst ist unterdessen abgetaucht. Die Demokratin ruft ihren Konkurrenten an, gratuliert Donald Trump zum Sieg, so erzählt es der Republikaner später in seiner Siegesrede. Erst Stunden später tritt sie vor die Kameras und bietet Trump ihre Zusammenarbeit zum Wohle der USA an. Natürlich sei das Wahlergebnis nicht das erwünschte, sagte die unterlegene Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten in New York: „Das ist sehr schmerzhaft, und das wird es lange bleiben.“ Doch es gehe nicht um sie, sondern um das Land. Amerika sei tiefer gespalten, als sie selbst angenommen habe.

Was für ein Auftritt wäre es gewesen, hätte sie hier ihren Sieg feiern können. Ihr ganzes Leben hat sie auf diesen Moment hingekämpft. Am Ende unterliegt sie dem Demagogen und vor allem den vielen wütenden weißen Männern im Land.

Es ist ein hässliches, bitteres Ende für Clinton. Hinter ihr liegen Monate voller Hysterie. Der ganze Hass, all die niederträchtigen Sprüche. Die vielen Männer und Frauen, die schrien, sie gehöre eingesperrt. Deren T-Shirts, auf denen stand, sie sei ein Miststück, eine Schlampe.

Der Gegner wurde immer größer

Die Frauen, die plötzlich wieder im Rampenlicht standen und sagten, Bill Clinton habe sie misshandelt. Der Gegner, den all das beflügelte, der dadurch wuchs, immer größer wurde.

Trump war auch stark, weil Clinton so angreifbar war. Wer hätte im April 2015 gedacht, dass es einmal zu diesem ungleichen Duell kommen würde. Voller Optimismus gab Clinton damals in einem Video ihre Kandidatur bekannt. 19 Monate sind seitdem vergangen. Es wirkt wie eine Ewigkeit.

Clinton war First Lady, Senatorin, Außenministerin. Sie war die logische Präsidentschaftskandidatin, aber sie passte nicht mehr in die Zeit. Die Menschen waren die politischen Dynastien leid, sie wollten keinen weiteren Bush im Weißen Haus, keine Clinton. Sie war die Repräsentantin der Elite, des Alten, des Establishments. Sie hatte wohl auch zu viel Ballast.

Am Anfang war sie die Favoritin, am Ende nur das kleinere Übel. Das hat viel mit Trump zu tun, aber auch mit ihr selbst. Es gab in diesem Wahlkampf nur einige wenige Momente, in denen Clinton ganz bei sich war. Als sie Trump in der ersten Fernsehdebatte vorführte, mit Fakten und Zahlen auftrumpfte, war das so ein Augenblick. Da stand die Staatsfrau, die sie sein kann.

An einem Tisch blicken zwei Frauen ins Leere, Tränen fließen an jenem Abend, an dem Hillary Clinton doch Geschichte schreiben sollte. „Das ist unwirklich“, sagt die junge Angestellte Margarita, ein Bier vor sich. Sie befürchtet, dass eine neue Zeit in den USA anbricht, nicht nur politisch. Sie fürchtet sich vor jenem Teil Amerikas, der für Trump gestimmt hat: „Unser Leben ist nicht mehr sicher, als lesbische Frau, als schwarze Frau.“ Sie ringt um Worte. dpa/afp

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