Chance vertan

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Hagemann Moritz SWP Redakteur, Autorenfoto 2017  Foto: 

Große Fußballturniere erzielten bisher meist einen Effekt: Sie haben den ausrichtenden Ländern ein anderes, freundlicheres Gesicht gegeben. Um die Welt gingen Bilder von meist friedlich feiernden Menschen verschiedenster Nationalitäten. Sport­ereignisse lösen Emotionen und Gefühle aus, sie leben von dem, was außerhalb der Stadien und rundherum passiert. Russland droht sich diese Chance jetzt selbst zu nehmen, wenn Journalisten lediglich über das Turnier berichten dürfen.

Andere haben die Bühne genutzt: Deutschland begrüßte 2006 „die Welt zu Gast bei Freunden“, 2010 wurden viele Südafrikaner jenseits ihrer Rassenabstammung vereint und die Welt schaute zu. Die Ausrichtung einer Fußball-WM ist gleichbedeutend mit dem Besitz einer riesengroßen Werbefläche, die im Idealfall von Medien und Fans bespielt wird und dafür sorgt, dass die Diskussionen über andere Querelen, zumindest für einige Wochen, in den Hintergrund rücken: Korruptionsvorwürfe, die Menschenrechtsfrage, die Doping-Problematik oder der Ukraine-Konflikt werden Confed-Cup 2017 und WM 2018 sowieso begleiten. Nun haben die Russen einen weiteren großen Missstand ihres Landes aufgezeigt: Russland steht in der Rangliste der Pressefreiheit von „Reporter ohne Grenzen“ auf Platz 148 von 180 Nationen.

Dass die Fifa die Akkreditierungsauflagen der Russen zu akzeptieren scheint, verwundert nicht. Zu ähnlich sind sich Weltverband und das Ausrichterland in ihrem öffentlichen Ansehen, das von Vorwürfen und Misstrauen geprägt ist. Auch wenn der Confed-Cup nur ein Testlauf ist: Viel Grund zur Hoffnung, dass bis zur WM alles besser wird, besteht nicht.

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