Cameron verliert Gefolgschaft

Homosexuelle Paare sollen in Großbritannien künftig sowohl zivil wie auch kirchlich heiraten dürfen. Ihr Lebensbund wird dieselbe rechtliche Stellung erhalten wie die klassische heterosexuelle Ehe.

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Trotz seiner Schlappe verteidigt David Cameron die Homo-Ehe. Foto: afp

Mit großer Mehrheit billigte das britische Parlament in zweiter Lesung ein Gleichstellungsgesetz. Das Oberhaus muss noch zustimmen. Der Schönheitsfehler bei dieser Reform ist aber, dass sich die großen Religionsgemeinschaften nicht an das Gesetz halten müssen.

Die große Mehrheit von 400 gegen 175 Stimmen verschleiert allerdings, dass Premierminister David Cameron, der sich für das Gesetz starkgemacht hatte, eine schwere persönliche Niederlage einstecken musste. Fast zwei Drittel seiner konservativen Abgeordneten votierten dagegen oder enthielten sich der Stimme, so dass der Regierungschef die Reform nur mit Hilfe seines liberaldemokratischen Koalitionspartners und der Labour Opposition durchbringen konnte.

Cameron nahm selbst nicht an der sechsstündigen leidenschaftlichen Debatte um das kontroverse Thema teil. Er erklärte danach: "Die Ehe ist eine großartige Institution und sie sollte ebenso offen sein für Menschen, die Homosexuelle sind und für Menschen, die das nicht sind." Labour-Chef Ed Miliband sprach von "einem stolzen Tag". Nick Clegg, stellvertretender Premierminister und Führer der Liberaldemokraten kommentierte das Votum: "Ganz gleich wer du bist und wen du liebst, so sind wir alle gleich. In der Ehe geht es um Liebe und Verpflichtung und sie sollte Paaren nicht verweigert werden nur weil sie schwul sind."

Für die Gegner der Reform erklärte der konservative Abgeordnete Sir Roger Gale, dass die Regierung kein Mandat für einen "solch monumentalen gesellschaftlichen und kulturellen Wandel hat". Dies ist auch die Ansicht der großen britischen Religionsgemeinschaften, die sich entschieden gegen die homosexuelle Ehe wandten. Das geplante Gesetz trug diesem Widerstand Rechnung und akzeptiert, dass homosexuelle Paare in Kirchen, Moscheen, Synagogen und Tempel weiterhin ihre Ehe nicht abgesegnet bekommen. Um zu vermeiden, dass Homosexuelle vor Gericht dafür streiten können, wird es der anglikanischen Staatskirche gesetzlich verboten, gleichgeschlechtliche Trauungen vorzunehmen.

Ungeachtet der scharfen Kontroverse um die moralische Bedeutung einer gleichgeschlechtlichen Ehe, bezeichnen viele Kritiker das Gesetz rein juristisch als "Hundefrühstück", womit im englischen Sprachgebrauch eine konfuse Entscheidung gemeint ist. Sie weisen darauf hin, dass homosexuelle Paare schon seit 2004 auf dem Standesamt eine "zivile Partnerschaft" eingehen können, die sie rechtlich einem konventionellen Ehebund gleichgestellt hat. Die neuen Reformpläne hätten zwar eine schöne symbolische Bedeutung, die aber einen Rattenschwanz von Problemen wie etwa beim Scheidungsrecht verbirgt. Einige Kommentatoren sehen in der Reform sogar den Beginn eines Scheidungsprozesses zwischen David Cameron und seinen Konservativen, von denen eine deutliche Mehrheit ihren Parteiführer bei der Abstimmung in Stich ließe.

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