Brüsseler Gezwitscher

Fast alle Brüsseler EU-Größen wenden sich per Kurznachrichten-Dienst Twitter direkt ans Volk - Fettnäpfchen inklusive.

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José Manuel Barroso tut es, Herman van Rompuy ebenfalls und Martin Schulz sowieso: Die Brüsseler EU-Größen sind auf dem Online-Kurznachrichten-Dienst Twitter unterwegs. Es wird geplappert, gepostet und kommentiert, was die erlaubten 140 Zeichen hergeben.

Darüber freuen sich interessierte Bürger ebenso wie Journalisten, denn Barroso und Co. nutzen den Dienst immer mehr als Kommunikationskanal der kurzen Wege. Keiner macht dies so professionell wie @euHvR. Hinter dem unaussprechlichen Twitternamen verbirgt sich EU-Ratspräsident Herman van Rompuy. Der Belgier verschickt Einladungen per Twitter, gibt Kurzkommentare zu aktuellen Themen und lässt wissen, wann eine der langen Ratssitzungen zu Ende ist.

Hin und wieder beglückt der Belgier seine 135 000 Leser auch mit den schönsten seiner Haiku-Verse. So geschehen etwa vor einem Jahr, als er seinen Frust über den gescheiterten EU-Haushalts-Gipfel künstlerisch zum Ausdruck brachte: "Autumn end november: The night has fallen/The bare branches can be seen/Even more lonely." (Etwa: Herbst Ende November: Die Nacht ist angebrochen/Die nackten Äste sind sichtbar/Noch einsamer.)

Ein Intensiv-Twitterer ist auch @alexstubb, der finnische Europaminister. Alexander Stubb lässt seine Leser gern auch an Privatem teilhaben. "Morgen früh Radio Voice um 7.10 Uhr und Radio Aalto um 7.40 Uhr. Dann ab ins Fitnessstudio vor dem Flug nach Brüssel. Spaß. Aufgeregt," twitterte er am Vorabend des letzten EU-Gipfels. Fast schon legendär ist ein Foto, das Stubb im Stehen schlafend im Brüsseler Ratsgebäude zeigt.

So viel Transparenz ist natürlich lobenswert. Allerdings kommt es bei dem Gezwitscher immer wieder zu Pannen - so mancher tippt schneller, als er denkt. Etwa beim EU-Gipfel zur Vertiefung der Währungsunion im Dezember 2012. Kurz nach Mitternacht verkündete die Vertretung der polnischen Regierung: "Gipfel zu Ende für heute - morgen dann um 10 Uhr geht es weiter." Während sich Diplomaten und Journalisten noch wunderten, folgte 20 Minuten später die Kehrtwende: "Entschuldigung, falscher Alarm - es ist noch nicht vorbei!"

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