Bootsflüchtlinge nach Afrika: Vorschlag ohne Substanz

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Rainer Maria Woelki hat an diesem Wochenende drastische Worte für die Tragödie im Mittelmeer gefunden. Mit Blick auf die mehr als 4000 ertrunkenen Flüchtlinge allein in diesem Jahr warf der Kölner Kardinal die Frage auf, ob man das Mittelmeer nicht in „Totes Meer“ umbenennen sollte. Angesichts des nicht enden wollenden Massensterbens auf dem Weg nach Europa war die Bemerkung offenkundig nicht ganz frei von Zynismus. Nur: Einfach wegschauen wäre noch viel zynischer. Der Kardinal hat nichts anderes getan, als den Finger in jene klaffende Wunde zu legen, die das Antlitz des „christlichen Abendlandes“ seit Jahren entstellt.

Der nicht ganz taufrischen Idee aus dem Innenministerium, die von den Booten geretteten Menschen gleich wieder nach Afrika zurückzuschicken und dort Asylzentren einzurichten, kann man auf den ersten Blick durchaus etwas abgewinnen. Könnte es nicht sein, dass sich die Flüchtlinge dann erst gar nicht mehr auf die gefährliche Reise begeben und den Schleppern so das mörderische Handwerk gelegt wird? Doch das Motto von de Maizière und vielen seiner EU-Kollegen, Asylbewerber mögen doch bitte bis zur Entscheidung draußen warten, hat seine Tücken. Wer macht da eigentlich den Lager-Leiter? Nach welchen Regeln sollen die Flüchtlinge in Zentren untergebracht werden, wie sollen dort die Menschenrechten gewährleistet werden, welches Asylrecht wird angewendet, wie läuft bei erfolgreichen Anträgen die Verteilung auf die EU? Antworten auf diese Fragen hat keiner. Und deutsche Beamte in Nordafrika, die den Türsteher Richtung Europa machen, kann man sich ohne Zynismus wahrlich nicht vorstellen.

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