Blaue Briefe aus dem Vatikan

Bischofskonferenzen in aller Welt sollten den Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Kirche regeln. Die Hälfte blieb untätig.

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Der Vatikan verschickt in diesen Tagen Mahnbriefe an die Hälfte aller 112 Bischofskonferenzen. Denn sie haben noch keine Richtlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch erarbeitet. Die Frist dafür ist abgelaufen: Ende Mai sollten die Regeln den Landeskirchen vorliegen.

Der Chefankläger des Papstes in Sachen Missbrauch, Charles Scicluna, versucht, das Versäumnis positiv zu fassen: Die Hälfte der Bischofskonferenzen sei der Vorgabe des Vatikan nach Ausarbeitung eigener Richtlinien bereits nachgekommen, sagte er. Doch vor allem aus afrikanischen Bischofskonferenzen steht die Antwort meist noch aus. Dort sei die Kirche mit strukturellen Problemen befasst.

Am Ziel rüttelt der Staatsanwalt der Glaubenskongregation aber nicht: Er kämpft gegen die jahrelange Vertuschung sexueller Übergriffe in der Kirche. Als erster Vatikanvertreter verglich Scicluna öffentlich die Haltung der Kirche dazu mit dem Schweigegebot der Mafia, der "omertà". Und wo die neuen nationalen Richtlinien der Bischofskonferenzen die Unabhängigkeit der Kirche gegenüber staatlichen Behörden betonten, bestehe Ergänzungsbedarf, sagte er. In diesen Fällen müsse eine "präzise, aufmerksame und vollständige Beschreibung" der Gesetze des jeweiligen Staats über Missbrauchsdelikte hinzugefügt werden. In den einzelnen Richtlinien müsse ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass die Kirche "im vollen Respekt vor dem Recht der Staaten nichts tun wird, um die Opfer davon abzubringen, von ihrem Recht auf Anzeige Gebrauch zu machen".

In der Vergangenheit war genau das nicht geschehen. In der Diskussion um sexuelle Übergriffe Geistlicher auf Minderjährige wollte die Kirche ihren Ruf wahren. Nun setzt der Vatikan auf Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden. Und schreibt blaue Briefe an säumige Bischofskonferenzen.

Die deutsche Bischofskonferenz wird keinen bekommen. "Wir sind Vorreiter", sagte ein Sprecher. Die Konferenz hatte zuletzt vor zwei Jahren ihre Leitlinien überprüft und verschärft. Im September 2010 beschloss sie zudem eine Rahmenordnung, um sexuellem Missbrauch an Minderjährigen vorzubeugen.

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