BERLINER SZENE vom 22. Juni 2013

|

Gekränkter Minister

Dass der Verein Deutsche Sprache den Bundesfinanzminister zum heißen Anwärter auf die Auszeichnung als "Sprachpanscher 2013" nominiert hat, trifft Wolfgang Schäuble offenkundig hart. Die Sprachpfleger monieren, dass der CDU-Politiker aus dem badischen Gengenbach mit seinen "unbeholfenen Exkursionen ins Englische seit Jahren den Übersetzern in Brüssel Konkurrenz" mache. Nun hat Schäuble sich in einem sehr persönlichen Interview im "Stern" gegen diesen Vorwurf gewehrt. Er finde es "unfair ohne Ende", dass er als "Bub aus dem Schwarzwald" verglichen werde mit EU-Kollegen, die Englisch als Muttersprache, bei Studienaufenthalten oder in internationalen Organisationen gelernt haben, während in seiner Schule die Fächer Französisch und Latein auf dem Stundenplan standen.

Gesammelte Werke

Im Schatten des Streits an der SPD-Spitze nimmt auch die Kritik an Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier zu. Der ehemalige Außenminister, so wird unter sozialdemokratischen Abgeordneten gemosert, kümmere sich zu viel um internationale Politik und diplomatische Gesprächspartner, zu wenig um die interne Agenda der Fraktion. Das führe dann zu chaotischen Debatten wie jüngst im Streit um die Europäische Bankenunion, als sich plötzlich prominente Genossen gegen die von Steinmeier und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück vertretene Linie wandten. Zudem wird Steinmeier eine extreme Dünnhäutigkeit vorgehalten sowie eine fast schon peinliche Form der Eitelkeit: Wer den Fraktionschef in seinem Büro im Bundestag aufsucht, kommt an einem Regal vorbei, in dem die gesammelten Parlaments-Reden des Ex-Vizekanzlers in gebundener Form zu bewundern sind.

Gehindertes Volk

Der Verein Mehr Demokratie macht Front gegen die CDU. Weil die Union als einzige im Bundestag vertretene Partei die Einführung eines bundesweiten Volksentscheids verhindert, enthüllten Aktivisten der Plebiszit-Initiative gestern im Regierungsviertel mehrere Großplakate, die in den nächsten Wochen an 60 Standorten in Berlin den Slogan verbreiten: "Seit über 60 Jahren verhindert die CDU den bundesweiten Volksentscheid." Gestaltet wurden die Plakate von den beiden Künstlern Tommy Nube (Ulm) und Moritz Klingmann (Donaueschingen). Nube kündigte dabei an, so lange keine Ruhe zu geben, "bis dem Geist des Grundgesetzes entsprochen worden ist: Alle Gewalt geht vom Volke aus". Auch den Teilnehmern des CDU/CSU-Kongresses zur Verabschiedung des gemeinsamen Wahlprogramms am Montag wollen die Anhänger der direkten Demokratie einen Besuch abstatten.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Hoffen und Bangen vor dem Prozess gegen Mesale Tolu

Am Montag entscheidet sich, ob die Journalistin frei kommt. Die Familie ist optimistisch. Diplomaten und Prominente verfolgen die Verhandlung im Istanbuler Justizpalast. weiter lesen