Berlin kritisiert Inhaftierung deutscher Journalistin in Türkei

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Die Bundesregierung fordert Zugang zu einer in der Türkei inhaftierten deutschen Übersetzerin und Journalistin aus Neu-Ulm. „Dieser Fall macht uns Sorgen“, sagte der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Steffen Seibert. Das Auswärtige Amt bestätigte die Verhaftung und kritisierte zugleich, dass die türkischen Behörden Deutschland entgegen der Gepflogenheiten nicht von sich aus über den Fall informiert hätten. Mesale Tolu, die für die linksgerichtete Agentur Etha arbeitet, war bereits am 30. April von einer Anti-Terror-Einheit festgenommen worden.

Sie sitzt seit dem 6. Mai im Istanbuler Frauengefängnis. Ein Richter erließ dem Bericht zufolge Haftbefehl wegen angeblicher Terror­propaganda und Mitgliedschaft in einer ­Terrororganisation. Was ihr genau vorgeworfen wird, ist unklar. Denn Mesale Tolu durfte bisher keinen Besuch erhalten, nicht einmal von Mitgliedern ihrer Familie, wie ihr Bruder berichtet. Auch sei dem Anwalt bisher Akteneinsicht verwehrt worden. Die junge Frau soll nach Angaben der Agentur Etha aus Protest in einen Hungerstreik getreten sein. Der zweijährige Sohn, der bei der Verhaftung durch ein Anti-Terror-Kommando bei ihr war, wird derzeit in Istanbul  von seinem Großvater betreut, der dafür an den Bosporus reiste.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind aktuell sechs deutsche Staatsbürger in der Türkei in Untersuchungshaft oder in Polizeigewahrsam. Vier von ihnen besitzen – anders als Tolu – außerdem die türkische Staatsbürgerschaft. Zu ihnen gehört der „Welt“ Korrespondent Deniz Yücel.

Wie das regierungskritische türkische Nachrichtenportal Diken berichtete, ist Tolu im Zuge eines Einsatzes gegen Mitglieder der Sozialistischen Partei der Unterdrückten und deren Jugendorganisation SGDF festgesetzt worden. Bei der Razzia, die im Vorfeld möglicher Proteste zum 1. Mai stattgefunden hatte, kamen 16 Menschen in Polizeigewahrsam.

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