Bedrückende Aussicht für die junge Generation

Statt die Rentenbeiträge zu senken, sollte das Geld in einen Demographiefonds für die junge Generation fließen. Das sagt Demokratieforscher Wolfgang Gründinger, Autor des Buches "Aufstand der Jungen".

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Die Rentenkassen sind gut gefüllt, 2014 sollen die Beiträge erneut sinken. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an die Beiträge denken, die die junge Generation künftig wohl zahlen muss, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen?

WOLFGANG GRÜNDINGER: Die Beitragssatzsenkungen kann es im Moment nur geben, weil die Arbeitsmarktlage gut ist und sich der demographische Wandel noch nicht bemerkbar macht. Letzteres wird auf Dauer nicht so bleiben, für die junge Generation wird es massive Beitragserhöhungen geben, wenn die Baby-Boomer-Jahrgänge in Rente gehen. Gleichzeitig werden auch die Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung deutlich steigen.

Eine bedrückende Aussicht?

GRÜNDINGER: Wir alle werden älter, das ist zunächst einmal etwas Gutes. Ich bin ein großer Anhänger der umlagefinanzierten Rentenversicherung und halte eine Rente, von der man im Alter gut leben kann, für wichtig. Das sollte allerdings auch für die jüngere Generation gelten. Und hier kann ich sagen: Ja, es ist bedrückend. Denn wir fürchten, dass die Beitragsbelastungen für uns erheblich steigen und wir dennoch keine angemessene Rente erhalten werden.

Was halten Sie von dem Automatismus, die Rentenbeiträge bei guter Kassenlage zu senken?

GRÜNDINGER: Diese Systematik ist im Prinzip nicht schlecht, und sie sollte auch beibehalten werden. Allerdings schlage ich vor, die Beitragssätze nicht so stark zu senken und die Rentenerhöhungen geringer ausfallen zu lassen. Das gesparte Geld sollte in einen Demographiefonds fließen, um zu vermeiden, dass die Beitragssätze schon in wenigen Jahren massiv erhöht werden müssen. Das entspräche einer vorausschauenden und generationengerechten Politik.

Den heutigen Rentnern wird das nicht gefallen.

GRÜNDINGER: Ich bin der Ansicht, dass auch die junge Generation ein Anrecht auf eine faire und gerechte Rente haben muss. Wir werden in der Altersvorsorge mehrfach belastet: Erstens werden wir länger arbeiten, zweitens höhere Beiträge bezahlen, um die Renten der älteren Menschen zu erwirtschaften, drittens in einem Maße privat vorsorgen müssen, wie das bisher keiner Generation zugemutet worden ist. Hinzu kommt, dass wir extrem geschlossene Erwerbsbiografien brauchen, um eine Rente über der Grundsicherung zu bekommen. Daher halte ich es für vertretbar, die Älteren in nur einer Weise zu belasten - indem ihre Renten geringer ansteigen, als das zur Zeit der Fall ist.

Zu den Wahlversprechen der Kanzlerin gehört auch die Erhöhung der Mütterrente für vor 1992 geborene Kinder. Was sagen Sie dazu?

GRÜNDINGER: Allein das würde 13 Milliarden Euro kosten, die nicht gegenfinanziert sind. Neue Schulden aber belasten vor allem die künftigen Generationen. Statt Wahlgeschenke brauchen wir mehr Generationengerechtigkeit - also nicht nur ein tragfähiges Rentensystem, sondern auch bestmögliche Bildung für alle sowie faire Löhne, die später zu einer Rente führen, von der man leben kann.

Info Wolfgang Gründinger (29) ist Sprecher der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen in Stuttgart und Mitglied des Think Tank 30, der jungen Denkfabrik des Club of Rome. Er gehört der SPD an.

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