Bauern und Jäger fordern Wolfsjagd

Agrarverbände und Jägerschaft fordern von der Politik ein Ende der „Wolfsromantik“ in Deutschland. Sie wollen die Population eindämmen.

|
Wolfsgegner: Unter dem Motto „Weidetiere statt Wolfsreviere“ protestierten zu Wochenbeginn rund 250 Bauern in München.  Foto: 

Angesichts der zunehmenden Angriffe von Wölfen auf Weidetiere nimmt der Druck auf die Politik zu, die Bestände zu regulieren. Bei einer Fachtagung am Mittwoch in Berlin machten Experten deutlich, dass die Tiere trotz der strengen EU-Richtlinien bejagt werden können. Die Zahl der Tiere wird in Deutschland auf 600 geschätzt. Die Population der Wölfe verdopple sich alle drei Jahre.

 Vor allem in Brandenburg ist die Zahl der nachweislich durch Wölfe getöteten Nutztiere in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen. Wurden im Jahr 2013 noch 48 Fälle registriert, waren es im vergangenen Jahr bereits 244. Die uneingeschränkte Ausbreitung der Wölfe in Deutschland müsse daher gestoppt werden, erklärte  Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes. Die Umweltverbände sollten aus seiner Sicht ihre „Wolfsromantik“ aufgeben.

Der Bauernverband fordert neben einer gesetzlichen Definition geeigneter Lebensräume auch eine Regulierung der Bestände. Vor allem fehlt aus Sicht des Verbandes ein effektives Wolfsmanagement.

Künftig führe an gezielten Abschüssen von Wölfen kein Weg vorbei, sagte Jürgen Hammerschmidt, Vorsitzender der Jagdgenossenschaften in Deutschland. In Ländern wie Schweden, Finnland und Frankreich werde das bereits erfolgreich praktiziert – europaweit gelten jedoch unterschiedliche Regeln. „Unsere Jäger verfügen über geeignete Waffen – und sie kosten den Staat kein Geld“, so Hammerschmidt.

Für eine Regulierung hatte kürzlich auch Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) plädiert und sich in einem Schreiben an die EU-Kommission um Änderungen beim strengen Schutzstatus der Wölfe bemüht. Brandenburg arbeitet dagegen an einer neuen Wolfsverordnung, in der unter anderem der Umgang mit Problemtieren geregelt werden soll. „Die Situation spitzt sich immer weiter zu“, so der Vorsitzende der Umweltministerkonferenz, Jörg Vogelsänger (SPD). Die Abläufe zur Vergrämung oder Tötung einzelner Tiere sollten für Behörden „klar abgesteckt“ werden. Allerdings lasse sich das Jagdrecht bei Wölfen nicht anwenden, so der brandenburgische Politiker. Zumindest wollen die deutschen Umweltminister bei ihrem Treffen im November neue Maßstäbe festlegen: So soll definiert werden, wann die Wolfspopulation stark genug ist, um sie begrenzen zu können.

Zu einer anderen Bewertung kommt Michael Brenner, Experte für europäisches Recht an der Universität Jena. „Eine selektive Jagd auf Wölfe verstößt nicht gegen die Artenschutzrichtlinien“, sagt der Jurist. Dies gelte vor allem dann, wenn Menschen oder Eigentum bedroht seien. Der Naturschutzbund lehnt diese Forderungen ab. Es gebe keine Notwendigkeit, am Schutz der Wölfe zu rütteln, so eine Sprecherin.

Wölfe gelten eigentlich als scheu. Dennoch gibt es zunehmend Situationen, bei denen die Raubtiere dem Menschen nahe kommen. So wurden kürzlich zwei Jäger im sächsischen Hoyerswerda von Wölfen  verfolgt. In Niedersachsen flüchtete Anfang Januar eine Joggerin vor einem Wolf - und rettete sich auf einen Traktor. Zu einem Angriff auf Menschen kam es seit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland jedoch nicht.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Gasunfall bei Zeiss: Sechs Mitarbeiter im Krankenhaus

Am Montagabend gab es einen Gasunfall bei der Firma Zeiss in Oberkochen. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. weiter lesen