Barcelona gegen Madrid: Ungebremst ins Verderben

Das katalanische Parlament wird bald die Unabhängigkeit erklären und damit Spanien ins Chaos stürzen. König Felipe gießt mit einer Ansprache noch Öl ins Feuer.

|
Spaniens König Felipe während seiner Ansprache an die Nation.  Foto: 

Auf den spanischen König hören die katalanischen Separatisten schon lange nicht mehr. Sie leben im Geiste schon in einer unabhängigen Republik Katalonien. Um ihre Verachtung für den Monarchen zu demonstrieren, verlegten sie am Montagabend ihr Kochtopfkonzert, das gewöhnlich um 22 Uhr stattfindet, um eine Stunde vor: genau auf den Beginn der königlichen Ansprache an die Nation. Während der Rede, die von allen großen Fernsehsendern ausgestrahlt wurde, schwoll der Lärm in Barcelona immer weiter an, Auto- und Motorradfahrer unterstützten ihn mit wildem Gehupe.

Die Rede des Königs hat die Stimmung in Katalonien weiter angeheizt. Felipe versuchte gar nicht erst, Brücken zu den rebellischen Separatisten zu bauen, stattdessen las er ihnen die Leviten. „Sie haben alle demokratischen Prinzipien eines jeden Rechtsstaates gebrochen, sie haben die Harmonie und das Zusammenleben in der katalanischen Gesellschaft selbst untergraben“, sagte er. Und wie eine Bombe ließ er den Satz fallen: „Es ist die Verantwortung der legitimen Mächte des Staates, die verfassungsmäßige Ordnung und das normale Funktionieren der Institutionen zu sichern.“ Das war der königliche Segen für alle Schritte, die die spanische Regierung in den kommenden Tagen gegen die katalanischen Separatisten unternehmen wird.

Die Positionen sind damit abgesteckt. Das katalanische Parlament wird voraussichtlich am Montag die Unabhängigkeit erklären. Die spanische Regierung wird diese Erklärung nicht nur ignorieren, sondern mit aller ihr zur Verfügung stehenden Macht gegen die Anstifter vorgehen.

Der letzte Funke, der den katalanischen Brand entzünden könnte, wäre die Festnahme von Regionalpräsident Carles Puigdemont und anderen separatistischen Politikern. Das würde hunderttausende Katalanen auf die Straße treiben, und viele von ihnen werden nicht so friedlich bleiben wie bisher. Ein einziges Machtmittel der Regierung in Madrid scheint in diesen Tagen erste Folgen zu zeigen: die Kon­trolle über die katalanischen Finanzen. Der Regionalregierung geht das Geld für weitere Abenteuer aus.

Unmissverständlich stellte sich Spaniens König Felipe hinter die Politik der Regierung in Madrid. Zwar hat Felipe in der parlamentarischen Monarchie vor allem repräsentative Aufgaben, doch sein Wort hat Gewicht. Und gerade im Unabhängigkeitsstreit ist seine Rolle klar: In Artikel 56 der Verfassung ist festgelegt, dass der spanische König „Symbol der Einheit des Landes“ sein soll. Kritiker bemängeln jedoch, dass Felipe keine noch so kleine Geste der Versöhnung machte – etwa ein paar Worte auf Katalanisch wie in seiner Antrittsrede 2014. swp

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Katalonien: Auf dem Weg in die Unabhängigkeit?

Die Regierung der autonomen Region Katalonien im Nordosten Spaniens will unabhängig werden. Die spanische Regierung hält dagegen. Auch im Volk regt sich Unmut über die angestrebte Abspaltung - bei Spaniern wie Katalanen.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Oberbürgermeister Gunter Czisch: „Wir müssen mit klarer Kante antworten!“

Oberbürgermeister Gunter Czisch im Interview über die Sicherheitslage in der Bahnhofstraße, überzogene Reaktionen des Handels und neue Ideen für eine attraktive City. weiter lesen