Auf die deutsche Art

Idee eines deutsch-spanischen Austausches: Junge Spanier, häufig von Arbeitslosigkeit betroffen, sollen in ihrer Heimat nach deutschem Vorbild ausgebildet werden - und den hiesigen Arbeitsmarkt bereichern.

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Spaniens Jugendliche sollen bald nach deutschem Vorbild ausgebildet werden. Das hat Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) nach einem Treffen mit ihrem spanischen Kollegen José Ignacio Wert Ortega in Stuttgart gesagt. Die beiden Politiker unterzeichneten eine Absichtserklärung, nach der das deutsche System dualer Berufsausbildung in Spanien eingeführt werden soll.

"Wir sind in Deutschland davon überzeugt, dass duale berufliche Bildung die beste Vorbeugung gegen Jugendarbeitslosigkeit ist", sagte Schavan. Die Initiative soll das Wirtschaftswachstum in Spanien ankurbeln. Spanische Unternehmen mit einer Niederlassung in Deutschland könnten wichtige Botschafter werden. Konkrete Schritte wollen die Minister Anfang September in Madrid vereinbaren. "Es geht darum, das, was in Deutschland erfolgreich ist, auch auf andere europäische Länder auszuweiten", sagte Wert. In Spanien gebe es die Verbindung schulischer und praktischer Ausbildung nur in Pilotprojekten.

Spanien hat mit 22,4 Prozent die höchste Arbeitslosenquote in der Europäischen Union. Bei Jugendlichen unter 25 Jahren lag sie im Jahresdurchschnitt 2011 bei 46,4 Prozent, im ersten Quartal 2012 stieg sie auf 52,1 Prozent - ebenfalls Negativ-Rekord in der EU. In Deutschland ist die Jugendarbeitslosigkeit so gering wie nirgendwo sonst in Europa, hier herrscht aber massiver Fachkräftemangel.

Deutschland bemüht sich auch, junge Spanier für den eigenen Arbeitsmarkt zu gewinnen. Schavan: "Wegen des Fachkräftemangels bei uns gibt es für spanische Jugendliche auch in Deutschland interessante Ausbildungsmöglichkeiten."

Jugendliche sind in Spanien die Hauptopfer des schrumpfenden Arbeitsmarktes. In Zeiten wirtschaftlicher Krise suchen Unternehmen höchstens hochgebildete, erfahrene Fachkräfte. Für viele Junge bleibt nur die Zeitarbeit. Mehr als 57 Prozent der erwerbstätigen spanischen Jugendlichen haben - oft schlecht bezahlte - Zeitverträge.

Als Ursachen der hohen Jugendarbeitslosenquote gelten ein früher Schulabbruch und das große Ungleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot am Arbeitsmarkt. Vor allem Jugendliche mit Hochschulabschluss leiden darunter.

Die spanische Regierung hat im Februar eine Arbeitsmarktreform beschlossen, die Steuervergünstigungen für jene kleinen und mittleren Unternehmen vorsieht, die Arbeitslose unter 30 Jahren einstellen. Der Vertrag enthält allerdings eine Probezeit von einem Jahr, in der die jungen Arbeitnehmer ohne Abfindung entlassen werden können.

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