Attentäter von Paris war den Behörden bekannt

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Paris. Es ist ein grauer Audi, der vor einer auf Rot springenden Ampel auf den Champs-Élysées stoppt, hinter dem Cyril M. am Donnerstagabend kurz nach 21 Uhr seinen Wagen zum Stehen bringt. Im nächsten Augenblick muss er mitansehen, wie der Fahrer des Audi aussteigt, auf einen auf dem rechten Standstreifen stehenden Mannschaftsbus der Polizei zugeht, „als wolle er die Insassen um eine Auskunft bitten“, plötzlich ein Kalaschnikow-Schnellfeuergewehr unter seiner schwarzen Jacke hervorzieht und das Feuer eröffnet.

Ein Polizist wird von dem den Mannschaftsbus durchsiebenden Kugelhagel auf der Stelle getötet und zwei weitere schwer verletzt, bevor deren Kollegen reagieren können, das Feuer erwidern, den daraufhin zu Fuß flüchtenden Angreifer verfolgen und schließlich niederschießen. Dramatische Minuten auf der zu dieser Stunde stark belebten Prachtstraße im Herzen der Metropole, in denen wie durch ein Wunder nur eine weitere Person, eine deutsche Touristin, durch einen Querschläger verwundet wird.

 Als Präsident François Hollande  am späten Abend in einer kurzen TV-Ansprache von Spuren spricht, die auf einen terroristischen Hintergrund der Tat hindeuten, hat die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft schon längst die Ermittlungen an sich gezogen. Viel zu sehr ähnelt der Angriff fünf vergleichbaren islamistischen Anschlägen, die in den vergangenen zwei Jahren auf Soldaten oder Polizisten in Frankreich verübt worden sind.

Auch aufgrund des in Frankreich seit November 2015 geltenden Ausnahmezustands dauert es nur wenige Minuten, bis die Champs-Élysées von einem starken Aufgebot an Sicherheitskräften weiträumig abgeriegelt sind. Nach zwei Stunden verfestigt sich die Überzeugung, dass ein Einzeltäter den Anschlag ausführte. Die Polizeipräfektur ordnet gegen 23 Uhr die Evakuierung der bis dahin zurückgehaltenen Restaurant- und Geschäftsbesucher an.

Zu diesem Zeitpunkt ist der getötete Attentäter bereits identifiziert. Es handelt sich um den vorbestraften 39-jährigen Franzosen Karim Cheurfi. Er hatte bereits 2001 zwei Mal Polizisten mit einer Schusswaffe angegriffen und war deswegen zu 15 Jahren Haft verurteilt wurden. Ende des Jahres 2015 kam er wegen guter Führung vorzeitig aus dem Gefängnis frei, doch die Behörden behielten ihn im Auge. Im Februar wurde er unter dem Verdacht verhaftet, Pläne zur Ermordung von Polizisten zu schmieden. Da die Polizei ihren Verdacht jedoch nicht erhärten konnte, wurde er wieder entlassen.

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