Arbeitslose: Vereinbarung hat wenig Wirkung

Seit 2004 ist für Arbeitslose eine Eingliederungsvereinbarung vorgeschrieben. Doch macht diese Sinn? Eine Studie ergibt ein zweigeteiltes Bild.

|

Mit der Hartz-Reform ist das Prinzip "Fördern und Fordern" in die Arbeitsmarktpolitik eingezogen. Zentraler Bestandteil: die Eingliederungsvereinbarung. Sowohl in der Arbeitslosenversicherung (Alg I) als auch in der Grundsicherung (Alg II) wird zwischen Jobsuchenden und Vermittlern ein Vertrag abgeschlossen. Darin steht, welche Pflichten der Arbeitslose erbringen muss und was er vom Jobcenter oder der Arbeitsagentur erwarten kann. Gegner sehen darin Schikane, Befürworter mehr Transparenz.

Doch bringen die Vereinbarungen überhaupt etwas, finden die Betroffen so schneller einen Job? Studien dazu gab es bislang keine, auch nicht auf internationaler Ebene. Nun hat sich das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit einem "Feldexperiment" vorgewagt. Das Ergebnis lässt aufhorchen: Ein Teil der Arbeitslosen profitiert zwar leicht, wenn gleich zu Beginn eine Eingliederungsvereinbarung geschlossen wird. Für andere ist diese dagegen "offenbar kontraproduktiv". Und im Durchschnitt konnten die Forscher keinen Zusammenhang zwischen einer frühen Vereinbarung und den Arbeitsmarktchancen feststellen.

Die Studie konzentriert sich auf die Arbeitslosenversicherung, auf Hartz-IV-Empfänger sind die Ergebnisse laut IAB "nicht direkt übertragbar". Untersucht wurden mehrere, vergleichbare Gruppen von Arbeitslosen. Nur beim Zeitpunkt der Eingliederungsvereinbarung gab es Unterschiede: sofort, nach drei Monaten oder erst nach sechs Monaten.

Als hilfreich erwiesen sich die Verträge etwa bei Männern mit Qualifizierungsbedarf. Dagegen wurden bei Männern mit einem "Marktprofil", also eigentlich motivierte und ausreichend ausgebildete Arbeitssuchende, negative Effekte gemessen. Möglicherweise vermindere sich die Eigeninitiative durch die Vereinbarung, vermutet das IAB. Die Bundesagentur für Arbeit hat hierauf bereits reagiert und für diese Fälle einen "größeren Ermessensspielraum" eingeräumt, wie eine Sprecherin mitteilte. "Aber auch bei den besonders schwierigen Fällen bringen die frühen Vereinbarungen nichts. Sie überforderten möglicherweise die Betroffenen, heißt es. Bei Frauen hat die Eingliederungsvereinbarung überhaupt keine Effekte, weder positive noch negative.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Eine rauschende Nacht der Wohltätigkeit

Schon zum zwölften Mal stieg die Charity Night. Erstmals in der Ratiopharm Arena, die sich in elegantes Dunkel hüllte. Mehr als 700 Gäste genossen Stars, erstklassige Speisen und stilvolle Showeinlagen. weiter lesen