Amtsmüde Chefdiplomatin

Hillary Clinton ist der Politik überdrüssig. Während einer Pressekonferenz gab die US-Außenministerin an, "schlichtweg müde" zu sein. In der Öffentlichkeit wird der sich abzeichnende Rücktritt bedauert.

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Hillary Clinton hat bekundet, dass ihr der Stress des öffentlichen Lebens inzwischen zu viel sei. Foto: afp

Fast auf den Tag genau nach drei Jahren im Amt hat US-Außenministerin Hillary Clinton deutlich gemacht, dass ihr der Stress des öffentlichen Lebens zu viel wird und sie lediglich warten will, bis Präsident Barack Obama einen Nachfolger findet. Nach 20 Jahren "auf dem Drahtseil der amerikanischen Politik" sei sie schlichtweg müde, sagte die frühere First Lady und spätere Senatorin aus dem US-Staat New York.

Die simple Frage einer US-Reporterin während einer Pressekonferenz im US-Außenministerium animierte Clinton dazu, vor laufenden Kameras laut über ihre Zukunft nachzudenken. Nein, eine Vizepräsidentschaftskandidatur für Obamas Anlauf auf eine zweite Amtsperiode kommt für sie offenbar nicht in Frage, geschweige denn der Verbleib an der Spitze des Außenministeriums. Sie werde aber warten, bis ihr Chef einen geeigneten Nachfolger gefunden hat, sagte Clinton. Und fügte ein Kompliment hinzu, dass Politiker selten Medienvertretern angedeihen lassen und das zugleich an eine Abschiedsrede erinnerte: "Es war für mich ein außergewöhnliches und wunderbares Erlebnis, mit euch allen zusammenzuarbeiten, das sage ich den Leuten, mit denen ich rede, immer wieder."

Es klang fast, als wolle die 64-Jährige sicherstellen, dass nach ihrem Abschied die Reporter sie positiv in Erinnerung behalten und positiv über sie berichten. Politische Experten aber vermuten einen anderen Hintergedanken und wollen ein politisches Comeback nicht ausschließen. Immerhin sagte die Ministerin, dass "Leute, die diese Jobs verlassen immer sagen, sie seien fertig." In der Tat schien die Chefdiplomatin zu bereuen, dass sie politisch neutral bleiben muss. Die immer kampflustige Clinton schien es zu bedauern, dass sie während des heißen Kampfs um den Chefsessel an der 1600 Pennsylvania Avenue erstmals keine Position beziehen darf.

In der Öffentlichkeit wird der sich abzeichnende Rückzug von Hillary Clinton mit Bedauern aufgenommen. Vor vier Jahren hatten sie und ihr späterer Chef Obama sich eines der spannendsten Vorwahlduelle in der Geschichte geliefert. Als dessen Außenministerin genießt sie heute weltweites Ansehen, sei es für ihre Bemühungen im Nahen Osten, bei der Einbindung der europäischen Partner oder dem unermüdlichen Engagement für Menschenrechte. Vom 3. bis zum 5. Februar wird die Außenministerin mit Verteidigungsminister Leon Panetta an der Münchner Sicherheitskonferenz teilnehmen.

Würde Clinton ein zweites Mal für die Präsidentschaft kandidieren, wäre sie Umfragen zu Folge kaum zu schlagen. Sowohl gegen den republikanischen Favoriten Mitt Romney als auch gegen ihren eigenen Chef Obama würde sie gewinnen, sagen Amerikas Wähler. Dass ein solches Szenario aber vom Tisch ist, hatte Amerikas eiserne Lady schon vor Monaten zu erkennen gegeben.

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