Amoklauf von Winnenden: Motiv von Tim K. bis heute unklar

Der Amokläufer von München soll sich an der Tat von Winnenden orientiert haben. Das genaue Motiv des damaligen Täters konnte nie geklärt werden.

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Warum Tim K. am Morgen des 11. März 2009 in seiner früheren Schule ohne sichtbare Emotion um sich schoss, ist bis heute unklar. Der 17-Jährige tötete acht Mädchen, einen Jungen und drei Lehrerinnen in der Albertville-Realschule Winnenden, die er 2008 mit der „Mittleren Reife“ verlassen hatte. Auf der Flucht erschoss er drei Männer, ehe er sich in Wendlingen mit der 113. Patrone selbst richtete. In den Ermittlungsakten gibt es rund 8000 Seiten mit Zeugenaussagen. Keine kann das Rätsel um das Motiv lösen. Auch zwei Prozesse gegen den Vater brachten  keine eindeutige Antwort. Eine Nachhilfelehrerin vermutete: Er konnte schlecht mit Niederlagen umgehen, litt unter Versagensängsten und einem „grundsätzlichen Unsicherheitsgefühl“.

In seinem Zimmer hatte sich der mittelmäßige Schüler eine eigene Welt geschaffen – mit Killerspielen am Computer, mit Horrorfilmen, er googelte nach „Selbstmord und Amok“, archivierte Videos vom Schulmassaker in Columbine (USA). Die Wände waren dekoriert mit Softairwaffen. Dass er sich auch seiner Familie immer mehr verschloss, hielten seine Eltern für altersbedingt. Etwa ein Jahr vor dem Amoklauf hatte er selbst den Verdacht, manisch-depressiv zu sein. Auf eigene Initiative war er zu Gesprächen in einer Psychiatrie-Klinik. Dabei offenbarte er seine Tötungsfantasien, sprach vom „Hass auf die  Menschheit“. Die Ärzte erkannten keine Gefahr für Tim oder Dritte und sie wussten nicht, dass er ein guter Schütze war. Die Tatwaffe holte er aus dem unverschlossenen Kleiderschrank im Elternschlafzimmer.

Der Vater, ein Unternehmer, hatte zwar wenig Zeit für den Sohn, erfüllte ihm aber jeden Wunsch, fuhr ihn zu Training oder Wettbewerben im Tischtennis oder Armdrücken auch in entferntere Orte. Obwohl Tim die Führerscheinprüfung vermasselte, wartete ein neuer Seat Leon in der Garage. Am Tattag ging der Schüler nach einem Frühstück, mit Rührkuchen, aus dem Haus, ohne sich verabschiedet zu haben. „Keiner wusste wirklich, wie er war und wie er lebte“,  schrieb der Kinder- und Jugendpsychiater Reinmar du Bois in sein Gutachten.

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