Aleppo vor dem Zusammenbruch

Aleppo ist umzingelt. Der IS, die Al-Nusra-Front und nun auch die syrischen Regierungstruppen mit russischer Unterstützung rücken täglich näher an die Stadt heran. Zehntausende sind auf der Flucht.

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Junge Männer im zerstörten Aleppo - Zehntausende harren noch zwischen den Trümmern aus.  Foto: 

Die Menschen in Aleppo machen sich auf das Schlimmste gefasst. Mithilfe russischer Luftschläge ist Syriens Armee nahe an die Großstadt vorgerückt. Die Angriffe lösten eine regelrechte Massenflucht aus. Doch zehntausende Syrer harren in der teilweise von Rebellen beherrschten Stadt aus. Die Unruhe vor den herannahenden Regierungstruppen wächst.

Denn die Armee von Machthaber Baschar al-Assad will die von Rebellen beherrschten Teile der Stadt von der Außenwelt abschneiden - sie blockiert bereits die wichtigste Nachschubroute der Aufständischen zur türkischen Grenze. Aus Sorge decken sich die in Aleppo zurückgebliebenen Menschen mit Grundnahrungsmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs ein.

Vorräte an Reis, Mehl und Benzin sind knapp geworden. "Aber selbst wenn wir verhungern, einige von uns müssen bleiben", sagt Abd Rahman. "Wenn alle flüchten, ist keiner mehr da, um unsere Stadt zu verteidigen." Täglich werden in Aleppo Häuser, Märkte, Straßen und Krankenhäuser bombardiert. Viele Familien schickten Frauen und Kinder zur türkischen Grenze, die für sie jedoch geschlossen bleibt. Laut UN-Angaben sind 30.000 auf der Flucht. Zurück bleiben junge Männer. In einer Stadt ohne regelmäßige Stromzufuhr und mit zu wenig Trinkwasser, bewachen sie ihre Häuser.

"Tag für Tag wird alles schlimmer", klagt Yasir Darwish, ein Arzt aus Aleppo. Auch Mediziner bereiten sich auf eine mögliche Belagerung der Stadt vor, sammeln Medikamente und Verbände. Als Folge des fehlenden Trinkwassers drohten vor allem Ausbrüche von Cholera und Tuberkulose.

"Es gibt viele Wunden an den Augen oder am Kopf. Wir mussten Gliedmaßen amputieren", sagt der Arzt Abu al-Es von der syrisch-amerikanischen Medical Society und erhebt schwere Vorwürfe gegen Russland. "Diejenigen, die bei den russischen Luftschlägen verletzt wurden, sind zu 70 Prozent Zivilisten, vor allem Frauen, Kinder und Senioren", sagt er. Russische Kampfjets würden bei Angriffen "Dörfer komplett zerstören" und international geächtete Streubomben einsetzen.

Die Rebellen befürchten, Moskaus Luftangriffen nicht mehr lange standhalten zu können. "Wenn Russlands Luftschläge nicht aufhören, kommt die komplette Belagerung, daran haben wir keinen Zweifel", sagt ein vor Aleppo kämpfender Aufständischer am Telefon. Die Rebellen sind sowohl von den Regierungstruppen als auch von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) umzingelt. Zudem hat die Al-Nusra-Front in den vergangenen Wochen hunderte, wenn nicht tausende, Kämpfer von der Nachbarprovinz Idlib nach Aleppo verlegt.

Schätzungen zufolge werden die von Rebellen beherrschten Teile Aleppos in maximal ein bis zwei Wochen komplett eingekreist sein, heißt es. "Unsere Hoffnung schwindet", sagt Abd Rahman. Die Moral der Aufständischen stehe vor dem Zusammenbruch. "Wenn das Regime Aleppo einnimmt, droht alles zusammenzubrechen", sagt er. "Dann wäre alles verloren."

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