Ängstliches Vietnam

Mit Meinungsfreiheit tut sich Vietnam schwer. Das trifft in jüngster Zeit vor allem Christen. Neuestes Beispiel: ein mennonitischer Priester.

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Ein Gericht in der zentralvietnamesischen Provinz Gia Lai hat den christlichen Priester Nguyen Cong Chinh zu elf Jahren Haft verurteilt. Der 43-Jährige soll in einer Bergregion im Zentrum des Landes, in der zahlreiche Mitglieder ethnischer Minderheiten leben, eine nicht genehmigte mennonitisch-protestantische Kirche betrieben und damit "die nationale Einheit gestört" haben. Kirchen werden in Vietnam streng vom Staat kontrolliert und müssen genehmigt werden - ein Umstand, den Menschenrechtsgruppen kritisieren.

Chinh war bereits im vergangenen April festgenommen worden. Er soll zudem "Verbindungen zu reaktionären Organisationen" gehabt haben, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Vietnam News Agency (VNA). Chinh habe in Interviews mit ausländischen Journalisten "die Situation im Inland verzerrt und die Regierung, den Staat und die Armee verleumdet", heißt es in dem Bericht weiter. 19 von 22 Dokumenten, die im Haus des Priester sichergestellt worden seien, hätten "Propaganda" enthalten, die "Zwietracht zwischen den Behörden, den Streitkräften und der Öffentlichkeit" hätten säen sollen.

Obwohl sich Vietnam in den vergangenen zwei Jahrzehnten merklich geöffnet hat, sind der Meinungsfreiheit Grenzen gesetzt. Seit 2009 nimmt die Zahl der Andersdenkenden, die zu Haftstrafen verurteilt werden, wieder zu. Auffällig häufig richten sich die Repressionen gegen Christen. Im vergangenen Juli haben die Behörden den gesundheitlich schwer angeschlagenen katholischen Priester und Demokratie-Aktivisten Nguyen Van Ly erneut inhaftiert. Ly hat 2006 gemeinsam mit anderen Regimegegnern ein "Manifest zu Freiheit und Demokratie in Vietnam" verfasst.

Erst vor zwei Wochen hat ein Gericht acht Mitglieder der überwiegend christlichen Hmong-Ethnie zu zwei- bis zweieinhalbjährigen Haftstrafen verurteilt, denen zwei Jahre dauernde Hausarreste folgen sollen. Sie sollen im vergangenen Jahr gemeinsam mit tausenden weiteren Mitgliedern ihrer Ethnie in einer Massenkundgebung auf die Ankunft des "Messias" gewartet haben. Das Gericht befand, dass die Angeklagten damit "die Sicherheit gefährdet" hätten.

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