Abitur mit Verlängerung

Die nächste Wahl kommt bestimmt. Statt wie früher Vorschläge aus der Opposition zu überhören, reagiert die CSU und regt Änderung an.

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Christian Ude (SPD), hier mit Feuerwehrhelm, sorgt bei der regierenden CSU für Alarm. Foto: dpa

Emilia ist eine gute Grundschülerin, eine sehr gute sogar. Selten, dass die Zehnjährige mal einen Zweier mit nach Hause bringt, meist sind es Einser. Dennoch hadert ihre Mutter mit der Entscheidung, Emilia nach der vierten Klasse auf das Gymnasium wechseln zu lassen. "Es gibt noch andere Wege zum Abitur", sagt sie, "den Stress mit dem achtjährigen Gymnasium will ich meiner Tochter nicht antun, in der Realschule wäre sie ohne diesen enormen Druck sicher glücklicher."

Um den Ruf des bayerischen Gymnasiums, noch immer Flaggschiff der stolzen Bildungspolitik des Freistaats, ist es nicht zum Besten gestellt. Bei der überstürzten Einführung der verkürzten Gymnasialzeit durch den damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und seiner Kultusministerin Monika Hohlmeier (beide CSU) im Jahr 2004 war der Ärger unter Eltern, Lehrern und Schülern groß.

Gewichen ist die Kritik bis heute nicht. Immer wieder flammt die Diskussion um zu hohen Leistungsdruck, überfrachtete Lehrpläne und gestresste Kinder auf, regelmäßig werden Forderungen nach einer Reform der Reform laut. Nun hat der designierte SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl, der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, die Debatte wieder eröffnet, indem er den Vorschlag machte, Schülern die Wahlfreiheit zwischen dem acht- und neunjährigen Gymnasium zu lassen. An der flexiblen Grundschule würde das schon modellhaft praktiziert, warum nicht auch ab Jahrgangsstufe elf?

Ganz abwegig scheint der Vorschlag nicht zu sein. Immerhin probt das Nachbarland Baden-Württemberg in einem Versuch an 44 Schulen die Rückkehr zur längeren Gymnasialzeit. Die allerdings wollen die Bildungspolitiker der Bayern-SPD nicht, sie fordern eine "Neuorientierung des Gymnasiums", wie der Landtagsabgeordnete Martin Güll betont.

In der Vergangenheit reagierte die CSU auf derartige Vorschläge der Opposition wenn schon nicht mit einem mitleidigen Lächeln, dann doch wenigstens mit erboster Zurückweisung. Diesmal aber erwiderte Kultusminister Ludwig Spaenle die Anregung Udes mit einem Zugeständnis. So präsentierte er kurz nach dem Ude-Vorschlag eine Veränderung am Gymnasium, um auch von CSU-Seite Eltern und Lehrern Reformwillen zu signalisieren.

Spaenle will mehr Ganztagsklassen und ein "freiwilliges zusätzliches Jahr zur Vertiefung" einführen. Dieses zusätzliche Jahr in der Mittelstufe solle Chancen eröffnen, entsprechend der eigenen Entwicklung Schulstoff zu intensivieren, zu wiederholen oder zu ergänzen. Ein freiwilliges Sitzenbleiben also, ausdrücklich mit der Bestätigung, nicht durchgefallen zu sein. Auch soll der Schüler nicht schon vor Weihnachten sondern auch später im Schuljahr eine Wiederholung der Klasse ankündigen können.

Der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) zeigt sich wenig begeistert von den Plänen des Kultusministers. Das Konzept eines eingeschobenen Intensivierungsjahres zwischen der 8. und 11. Jahrgangsstufe sei keine dauerhafte Lösung für die massiven Probleme an bayerischen Gymnasien, sagt BLLV-Präsident Klaus Wenzel. "Der Vorschlag lässt die als extrem belastend empfundene Lern- und Arbeitssituation der Schüler und Lehrer insgesamt unberücksichtigt und gibt keine Antwort auf zentrale Fragen, etwa wie künftig gelernt werden und um welche Inhalte es gehen muss."

Jetzt hat sich auch der Realschullehrerverband gemeldet und erinnert an seine Schulform als Alternative: Für viele Schüler sei der optimale Weg zum Abitur nicht der Besuch des Gymnasiums. 43 Prozent aller bayerischen Abiturienten würden über andere Schularten die Hochschulreife erreichen.

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